Spitalaffäre
«Angstkultur» am Zürcher Unispital: Aufsichtskommission will Reformen

Die Aufsichtskommission für Bildung und Gesundheit empfiehlt «weitreichende Änderungen» am Universitätsspital Zürich. Sie kritisiert falsche finanzielle Anreize im jetzigen System.

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Das Universitätsspital Zürich brauche eine neue Unternehmenskultur, so die Kommission. (Symbolbild)

Das Universitätsspital Zürich brauche eine neue Unternehmenskultur, so die Kommission. (Symbolbild)

Keystone

(wap) Am Unispital brauche es einen «Wandel der Unternehmenskultur», ausserdem soll die Aufsicht durch Regierungsrat und Kantonsrat verstärkt werden. Diese Forderung präsentierte die Aufsichtskommission für Bildung und Gesundheit (ABG) am Donnerstag der Öffentlichkeit. Das Unispital war in den letzten Monaten wiederholt in Kritik geraten. Die Rede war von geschönten Berichten über Operationen und zugeschanzten Patienten.

Die ABG ortet nun Mängel bei der Organisation. Die Machtverhältnisse seien unklar, so sei der Ärztliche Direktor zugleich Institutsleiter und Mitglied der Spitaldirektion. Ausserdem greife der als strategisches Organ gedachte Spitalrat teilweise direkt in operative Tätigkeiten ein, während die Spitaldirektion selbst keine Weisungsbefugnisse zur effektiven Unternehmensleitung habe. Damit seien die Kliniken und Institute von der Führung ausgenommen. Der Spitalrat habe dies erkannt, aber nichts getan, so die ABG. Sie will den Spitalrat in seiner strategischen Funktion stärken und die Unternehmensleitung der Spitaldirektion überlassen.

Die Universität soll entmachtet werden

Aufgehoben werden soll der Klinikpool, da dieser es den Kliniken und Instituten erlaubt habe, «Parallelstrukturen» aufzubauen. Ausserdem soll eine interne Revisionsabteilung aufgebaut werden. Dass es eine solche bis jetzt nicht gebe, findet die ABG erstaunlich. So gebe es finanzielle Fehlanreize.

Handlungsbedarf bestehe auch bei den Anstellungsverhältnissen. Die ABG kritisiert dabei die Rolle der Universität. Diese entscheidet derzeit faktisch über die Klinikleitung, da diese mit der Berufung auf einen Lehrstuhl an der Uni verbunden ist. Die ABG will die Berufung der Klinik übertragen, die das Verfahren verkürzen und professionalisieren soll.

Harte Kritik übt die ABG auch an der herrschenden Mentalität im Betrieb: «Wegen der starken Hierarchien in den Kliniken und der Machtfülle, die einige Klinikdirektoren ausnutzen, herrscht speziell beim medizinischen Personal eine eigentliche Angstkultur», so deren Fazit. Es brauche einen umfassenden Kulturwandel.