Sexuelle Gewalt
Belästigung im öffentlichen Raum: Stadt Zürich schaut genauer hin

Beleidigungen, Anrempeln, Anstarren oder obszöne Gesten: Viele Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher wurden schon auf die eine oder andere Art belästigt. Ein neues Online-Meldetool soll Abhilfe schaffen.

André Bissegger
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Junge Menschen werden vor allem spätabends belästigt, wenn sie durch die Bars und Clubs ziehen. Die Stadt Zürich geht nun mit einer neuen Kampagne gegen Belästigungen vor. (Symbolbild)

Junge Menschen werden vor allem spätabends belästigt, wenn sie durch die Bars und Clubs ziehen. Die Stadt Zürich geht nun mit einer neuen Kampagne gegen Belästigungen vor. (Symbolbild)

Keystone

Die Stadt Zürich ist ein Ort der Begegnungen. Allerdings verläuft nicht jede positiv. Die Stadt will daher die Bevölkerung für gesellschaftliche Probleme wie sexuelle Gewalt und sexistische, homo- und transfeindliche Belästigungen sensibilisieren. Auftakt der Kampagne bildet eine Umfrage von Sotomo zu den bisher gemachten Erfahrungen mit Belästigungen im öffentlichen Raum. Dabei lag der Fokus auf sexuellen, sexistischen, homo- und transfeindlichen Erlebnissen.

Am Dienstag hat die Stadt die Resultate veröffentlicht. Die Umfrage zeigt, dass ein Grossteil der Befragten schon auf die eine oder andere Art belästigt wurde. Die wenigsten davon seien jedoch strafbare Handlungen wie tätliche Angriffe, Erpressung oder sexuelle Nötigung gewesen, heisst es im Bericht.

Dabei werden Frauen häufiger aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung belästigt als Männer. Drei von vier homo-, bi- oder pansexuellen Menschen gaben an, in der Stadt schon im öffentlichen Raum belästigt worden zu sein. Bei heterosexuellen Menschen ist es jede zweite Person, wie es in einer Mitteilung heisst. Vor allem junge Frauen berichten besonders häufig von sexueller Belästigung.

Neues Projekt lanciert

Die Belästigungen sollen sichtbarer gemacht werden. Zürich hat daher ein neues Online-Meldetool geschaffen. Ab sofort kann die Bevölkerung erlebte und auch beobachtete Belästigungen sowie Übergriffe unkompliziert und anonym melden. Denn ein zentraler Faktor bei der Bekämpfung von Belästigungen sei die öffentliche Aufmerksamkeit.

Ausserdem werden bis Ende 2022 weitere Massnahmen umgesetzt. Dazu gehören Plakate und Beiträge im öffentlichen und virtuellen Raum, Veranstaltungen zur Sensibilisierung, die Förderung von Zivilcourage sowie Weiterbildungen für Berufsgruppen, die dem Thema in ihrem Arbeitsalltag begegnen. Das Ziel der Stadt ist klar: In Zürich sollen sich alle Menschen sicher und frei fühlen können – unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Hautfarbe und davon, ob mit oder ohne Behinderung, wie es weiter heisst.