Schweiz/Israel
Aussendepartement sorgt sich um erneute Eskalation der Gewalt in Jerusalem

Das Aussendepartement in Bern ist «sehr besorgt» über die erneute Eskalation der Gewalt in Israel. Bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften wurden in Jerusalem Hunderte Palästinenser verletzt.

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Israelische Sicherheitskräfte gehen in der Nacht auf Sonntag in Jerusalem erneut hart gegen protestierende Palästinenser vor.

Israelische Sicherheitskräfte gehen in der Nacht auf Sonntag in Jerusalem erneut hart gegen protestierende Palästinenser vor.

Keystone

(sat/dpa) Das Eidgenössische Aussendepartement (EDA) hat am Sonntag erneut alle beteiligten Parteien zur «Ruhe in dieser fragilen Zeit» aufgerufen. Besonders besorgt zeigte sich das Departement von Bundesrat Ignazio Cassis über die erneute Eskalation der Gewalt am Tempelberg und in dem besonders von Arabern bewohnten Stadtteil Scheich Dscharrah. Das EDA appellierte zudem an alle Parteien, sofort zu handeln, um die Spannungen zu entschärfen. Bereits am Montag hatte das Aussendepartement ein erstes Mal alle Beteiligten zur Ruhe aufgerufen.

Die erneute Eskalation der Gewalt im Nahen Osten sei «sehr besorgniserregend», schreibt das EDA. Insbesondere die Zusammenstösse auf dem Jerusalemer Tempelberg und im Stadtteil Sheikh Jarrah, welche in den letzten Tagen zahlreiche Verletzte gefordert haben. Medien berichten aufgrund von Aussagen von Sanitätern in Jerusalem von bis zu 300 Verletzten allein seit Freitagabend. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen hätten sich auch in der Nacht zum Sonntag wiederholt. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Eskalation zum Ende des Fastenmonats Ramadan

Ein israelischer Polizeisprecher sagte am Sonntag, es sei sowohl am Damaskustor - einem der Eingänge zur Altstadt - als auch im Bereich des Tempelbergs zu Konfrontationen gekommen. Auf dem Berg, der auch Al-Haram al-Scharif genannt wird, versammelten sich am Samstagabend mehr als 90'000 gläubige Muslime zum Feiertag Lailat al-Kadr. An diesem Tag, der auch Nacht der Bestimmung genannt wird, wurde nach der Überlieferung der Koran an den Propheten Mohammed übergeben.

Jerusalems Altstadt mit heiligen Stätten von Muslimen, Juden und Christen gilt seit langem als Pulverfass. Drohende Zwangsräumungen sorgen für weiteren Zündstoff. Zum Ende des Fastenmonats Ramadan eskalierte die Gewalt. Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Das Aussendepartement von Ignazio Cassis ist laut Mitteilung der Ansicht, dass die Erhaltung des historischen Status quo auf dem Tempelberg und das friedliche Zusammenleben aller Bewohner und Bewohnerinnen Jerusalems völkerrechtlich garantiert werden muss.

Polizei liess Altstadt für Araber absperren

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist sowohl die drittheiligste Stätte im Islam als auch im Judentum von grösster Bedeutung. Dort sollen nämlich früher zwei jüdische Tempel gestanden haben, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Ausserdem drohen palästinensischen Familien im Viertel Scheich Dscharrah Räumungen.