Schätzungen zu Bundesratsentscheid
Aufgeschobene Steuern verschafften der Wirtschaft knapp 3 Milliarden Liquidität

Damit Firmen und Privatpersonen in der Pandemie das Geld nicht ausgeht, beschloss der Bundesrat einen Zahlungsaufschub für Steuern. Laut ersten Schätzungen wurde davon rege Gebrauch gemacht.

Samuel Thomi
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Vom bundesrätlichen Angebot, in der Pandemie die Bundessteuern zinslos später zahlen zu dürfen, wurde 2020 rege Gebraucht gemacht.

Vom bundesrätlichen Angebot, in der Pandemie die Bundessteuern zinslos später zahlen zu dürfen, wurde 2020 rege Gebraucht gemacht.

Keystone

Wer vom 20. März 2020 bis Ende des letzten Jahres seine Bundessteuern nicht oder zu spät bezahlte, musste dafür keinen Verzugszins berappen. Das hatte der Bundesrat beschlossen. Er wollte damit juristischen und Privatpersonen helfen, damit sie aufgrund der Coronapandemie nicht in Liquiditätsprobleme geraten.

Nun zeigen erste Schätzungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), wie die Privatpersonen und Firmen in der Schweiz von dieser Covid-19-Massnahme des Bundes Gebraucht gemacht haben. Insgesamt hat der Bund juristischen und Privatpersonen im letzten Jahr damit knapp 3 Milliarden Franken Liquidität verschafft. Wie die ESTV in einer am Freitag veröffentlichten Notiz schreibt, reduzierten juristische Personen 2020 ihre Steuerzahlungen von April bis August zwischen 1,9 und 2,1 Milliarden Franken. Bei den natürlichen Personen liegt der Rückgang mit rund 650 Millionen Franken in den Monaten April und Mai etwas tiefer.

Lockdown fiel in Hauptertragszeit der Bundessteuer

Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr haben Firmen ihre Steuerzahlungen an den Bund 2020 damit zeitweise um bis zu 53 Prozent reduziert. Bei Privatpersonen liegt dieser Wert mit einem Minus von maximal 34 Prozent deutlich tiefer. Gegen Jahresende sei der Aufschub bei den Steuerzahlungen gegenüber einem Normaljahr jedoch wieder vollständig abgebaut worden, wie die ESTV schreibt.

Wie die Eidgenössische Steuerverwaltung weiter schreibt, basieren die Schätzungen auf Ablieferungen der direkten Bundessteuer für das Jahr 2019 durch die Kantone an den Bund. Zudem unterscheide die Auswertung nicht zwischen der Dauer eines kurzfristigen Aufschubs innerhalb der regulären Zahlungsfrist und einem darüber hinausgehenden Aufschub. Normalerweise sind Februar bis Juni die ertragreichsten Monate für die Bundessteuer.

Nicht unwesentlicher Tropfen auf heissen Stein

Laut ESTV ist der Lockdown im vergangenen Frühling damit in einen Zeitraum gefallen, welcher die Unternehmen und Privatpersonen steuertechnisch jeweils besonders stark belastet. Das dürfte denn auch eine wesentliche Erklärung dafür sein, weshalb insbesondere von Unternehmen im vergangenen Frühling so rege Gebrauch gemacht wurde von dieser Covid-19-Massnahme des Bundesrates.

Dennoch relativiert die Eidgenössische Steuerverwaltung in ihren Notizen, dass die knapp 3 Milliarden zusätzliche Liquidität im Vergleich zum restlichen Massnahmenpaket des Bundes natürlich nur ein kleiner Beitrag sind. Laut Schätzungen liegt das total aller Bundes-Massnahmen inzwischen bei etwa 40 Milliarden Franken.

Wer – respektive welche Firmen oder Branchen – von der zusätzlichen Liquidität Dank dem Steueraufschub am meisten profitiert haben, dazu sagt die Steuerstatistik jedoch nichts. Laut ESTV ist einzig bekannt, dass der Grossteil der direkten Bundessteuern von wenigen Steuerpflichtigen entrichtet wird.