RTS und RSI
Über 200 neue Meldungen eingegangen: Gutachter brauchen mehr Zeit

Die Aufklärung der Belästigungsvorwürfe bei der SRG dauert länger. Der Grund sind über 200 neue Meldungen, die im Tessin und in der Westschweiz eingegangen sind.

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Die Untersuchungen bei RTS und RSI brauchen mehr Zeit.

Die Untersuchungen bei RTS und RSI brauchen mehr Zeit.

Keystone

(abi) Nach den Belästigungsvorwürfen beim Westschweizer und italienischsprachigen Radio und Fernsehen RTS und RSI im November des vergangenen Jahres setzte die Schweizerische Radio und Fernsehgesellschaft SRG externe Gutachter ein, um die Vorfälle zu untersuchen. Der SRG-Verwaltungsrat ging damals davon aus, dass die Berichte der Gutachter im Februar vorliegen würden. Doch nun verzögern sie sich um mehrere Monate. SRG-Sprecher Edi Estermann bestätigte am Sonntag auf Anfrage von «CH Media» einen entsprechenden Bericht des «SonntagBlick».

Die externen Untersucher hätten um mehr Zeit gebeten, um die Untersuchungen sorgfältig durchzuführen und die Berichte zu erstellen, sagte Estermann. Da die extra eingerichtete Whistleblower-Hotline bis am 15. Januar geöffnet blieb, gingen bezüglich RTS 230 weitere Meldungen ein. Bei RSI gab es bisher insgesamt 40. «Es handelt sich dabei um Meldungen unterschiedlichster Art und Natur», sagte Estermann. In dieser breiten Palette gehe es beispielsweise auch um das Arbeitsklima oder Chefs, die sich falsch verhalten hätten.

Resultate werden im Frühling erwartet

Laut Estermann werden die Resultate der RTS-Untersuchungen im April erwartet, diejenigen der RSI im zweiten Quartal 2021. Alle Untersuchungen kämen gut voran, seien aber komplex und erforderten mehr Zeit als ursprünglich angenommen.

Die welsche Zeitung «Le Temps» hatte Ende Oktober erstmals über Fälle von sexueller Belästigung und Mobbing bei RTS berichtet. Ende November wurden zudem Vorfälle bei RSI bekannt: Die Gewerkschaft SSM hat 30 Meldungen wegen Belästigung und Mobbing erhalten. Die Vorwürfe setzten auch SRG-Generaldirektor Gilles Marchand unter Druck, denn sie fallen zu einem guten Teil in seine Amtszeit als Fernsehchef in Genf von 2001 bis 2017.