Qualitätserhebung
Corona-Berichterstattung: Studie sieht weiterhin Defizite bei Schweizer Medien

Die Berichterstattung der Schweizer Medien in Sachen Corona hat sich gemäss einer Studie verbessert. Dennoch gebe es weiterhin Defizite – etwa bei der Vielfalt der Expertinnen und Experten.

Alice Guldimann
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Das Medien-Jahrbuch 2021 kann keine Hofberichterstattung in Sachen Corona ausmachen. (Symbolbild)

Das Medien-Jahrbuch 2021 kann keine Hofberichterstattung in Sachen Corona ausmachen. (Symbolbild)

Keystone

Absichtlich verbreitete Falschnachrichten – sogenannte Fake News – beschäftigen die Schweizer Bevölkerung. Wie die Universität Zürich in einer Mitteilung vom Montag schreibt, erachtet laut einer repräsentativen Studie rund die Hälfte der Befragten Desinformation als «grosses bis sehr grosses Problem». Insbesondere zum Thema Coronavirus kursieren zahlreiche Falschinformationen. 61 Prozent der Bevölkerung nutzen laut der Befragung journalistische Medien, um den Inhalt von Fake News zu überprüfen.

Das «Jahrbuch Qualität der Medien 2021» des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich widmet sich deshalb auch in diesem Jahr schwerpunktmässig der Qualität der Schweizer Medienberichterstattung in Sachen Corona. Das Jahrbuch, das am Montag publiziert wurde, zeigt in verschiedenen Bereichen eine Verbesserung.

«Hofberichterstattung» nicht bestätigt

So werden laut der Analyse Zahlen und Statistiken häufiger kontextualisiert und eingeordnet. Dies wurde in der ersten Welle noch in 12 Prozent der untersuchten Beiträge gemacht, in der zweiten Welle waren es 21 Prozent. Ebenfalls stellen die Forschenden fest, dass der Anteil Medienbeiträge, die gegenüber den Behörden sehr positiv ausfallen, mit 0,3 Prozent weiterhin tief bleibt. «Somit bestätigt sich der Vorwurf einer unkritischen ‹Hofberichterstattung› nicht», heisst es in der Mitteilung.

Ebenfalls nicht erhärten lässt sich laut dem Jahrbuch der Vorwurf der «Panikmache» durch die Medien. So werde das Coronavirus aktuell mit 6 Prozent der Beiträge deutlich weniger häufig explizit als Bedrohung dargestellt als noch in der ersten Welle mit 16 Prozent.

Sozial- und Geisteswissenschaftler aussen vor

Weiterhin Defizite sehen die Forschenden derweil bei der Vielfalt der Expertinnen und Experten, welche in der Coronaberichterstattung zu Wort kommen. Die in den Medien thematisierten Wissenschaftlerinnen stammten noch immer grösstenteils aus dem medizinischen Bereich, heisst es im Bericht. Ihr Anteil falle in der zweiten Welle mit 83 Prozent gar etwas höher aus als in der ersten Welle mit 78 Prozent. «Sozial- und geisteswissenschaftliche Disziplinen bleiben dagegen auch in der Berichterstattung zur zweiten Welle aussen vor.»

Auch seien Wissenschaftlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen weiterhin deutlich untervertreten. Immerhin kämen sie bei der aktuellen Untersuchung mit 21 Prozent etwas häufiger vor als im letzten Jahr.

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