Prävention
Hinhören hilft: Dargebotene Hand verzeichnet mehr Anrufe von Menschen mit Suizidgedanken

Heute Freitag ist Welttag der Suizidprävention. Diese gewinnt angesichts der Pandemie an noch mehr Bedeutung, wie neue Zahlen der Telefonseelsorge der Dargebotenen Hand zeigen.

Alice Guldimann
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Die Dargebotene Hand erreichen seit der Coronakrise mehr Anrufe von Menschen mit Suizidgedanken.

Die Dargebotene Hand erreichen seit der Coronakrise mehr Anrufe von Menschen mit Suizidgedanken.

Patrick Hürlimann

Über eineinhalb Jahre sind seit Beginn der Coronapandemie vergangen. Die psychische Belastung ist für viele Menschen nach wie vor sehr gross, wie Zahlen der Dargebotenen Hand zeigen. Die Telefonseelsorge verzeichnet dieses Jahr rund 30 Prozent mehr Anrufe mit dem Thema Suizid als im ersten Halbjahr 2019, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2020 beträgt die Steigerung zehn Prozent.

Während viele Themen im Verlauf des Sommers wieder auf das Niveau von vor der Krise gefallen seien, bleibe die Zahl der Nennungen rund um Suizidalität erhöht. Rund 16 Mal kommt das Thema dieses Jahr täglich zur Sprache, im ersten Halbjahr 2019 waren es 13 Mal. Insbesondere Minderjährige und junge Erwachsene suchten vermehrt Hilfe, wie es weiter heisst. Sie erzählten von Perspektivlosigkeit, Überforderung, Einsamkeit und Suizidgedanken.

Hilfsangebote erwähnen

«Hinhören hilft», schreibt die Dargebotene Hand weiter. «Empathische Kompetenz und die Bereitschaft, im richtigen Moment da zu sein und zuzuhören ist heute wichtiger denn je, und kann einen relevanten Beitrag zur Prävention von Suizid leisten.» Auch die Art der Medienberichterstattung rund um das Thema Suizid kann zur Prävention beitragen. Der Bund hat dazu verschiedene Empfehlungen herausgegeben.

Hilfe bei Suizidgedanken

Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und ihr Umfeld da, vertraulich und gratis:

Die Dargebotene Hand: Gespräch und Beratung per Telefon, Mail und Chat auf www.143.ch und Kurzwahlnummer 143.
Beratung + Hilfe 147: Beratung für Kinder und Jugendliche von Pro Juventute über Telefon, SMS, Chat und Mail auf www.147.ch und Kurzwahlnummer 147.
Weitere Adressen: www.reden-kann-retten.ch für Beratungsangebote in allen Kantonen und www.trauernetz.ch für Hinterbliebene nach einem Suizid.

Eine Analyse im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit zeigt nun, dass sich die Medienberichterstattung in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat. Wurden im Zeitraum 2012 bis 2014 in acht Prozent der untersuchten Artikel Hilfsangebote erwähnt, waren es in der Zeit von 2018 bis 2020 in 26 Prozent. Trotz der Verbesserung werde die Empfehlung aber nach wie vor ungenügend umgesetzt, schreibt das BAG in einer Mitteilung.

Keine Verbesserung festgestellt hat die Analyse bei der Nennung von Bewältigungsmöglichkeiten und Alternativen in entsprechenden Artikeln. Dies war lediglich bei 16 Prozent der untersuchten Texte der Fall. Insgesamt sieht das BAG bei allen Empfehlungen noch Optimierungsbedarf.

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