Präsidium
Ohne Gegenkandidatur: Thierry Burkart will definitiv FDP-Präsident werden

Lange wurde spekuliert, nun ist es offiziell. Der Aargauer Ständerat soll neuer Präsident der FDP werden. Er würde damit in die Fussstapfen von Petra Gössi treten. Burkart informiert um 12 Uhr über seine Kandidatur (hier im Livestream und -ticker).

Michael Graber
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Der Favorit auf das Amt hat seine Kandidatur eingereicht: Thierry Burkart will FDP-Präsident werden.

Der Favorit auf das Amt hat seine Kandidatur eingereicht: Thierry Burkart will FDP-Präsident werden.

Keystone

Und er will tatsächlich: Der Aargauer Ständerat Thierry Burkart will Präsident der FDP werden. Die Partei bestätigte am Montag eine entsprechende Kandidatur des 45-Jährigen. Burkart gilt nach mehreren prominenten Absagen seit längerem als Kronfavorit auf das Amt – er hatte aber seine Ambitionen nie öffentlich geäussert. Damit wird er voraussichtlich in die Fussstapfen von Petra Gössi treten, die das Präsidium nach fünf Jahren abgibt. Sie hatte dies im Nachgang zur verlorenen CO2-Gesetz-Abstimmung kommuniziert.

Einzig der St.Galler Nationalrat Marcel Dobler hatte sich offiziell um die Gössi-Nachfolge beworben. Er hatte aber stets betont, dass er das Amt nur in einem Co-Präsidium übernehmen wolle – am liebsten mit einer Frau aus der Romandie. Auch ein Einzelpräsidium habe er sich vorstellen können, schreibt Dobler in einer Mitteilung vom Montag. Allerdings nur dann, wenn «sich kein anderer geeigneter Kandidat zur Verfügung stellt». Dies sei dank der Kandidatur Burkarts aber nicht der Fall. «Er geniesst meine volle Unterstützung und ich bin sehr gerne bereit, ihm tatkräftig zur Seite zu stehen», so Dobler. Seine Idee eines Co-Präsidiums hätten sich viele Liberale «nur schwer vorstellen» können.

Silberschmidt und Gapany sollen zusätzliche Vizes werden

Auch keine Kandidatur eingereicht hat Ruedi Noser. Der Zürcher Ständerat wurde hinter den Kulissen als möglicher Übergangspräsident bis zu den Wahlen 2023 gehandelt. Anders als Burkart, der zum rechten Flügel der Partei zählt, wäre Noser näher am Kurs gewesen, den die FDP unter Gössi eingeschlagen hatte. Die Wahlen ins Präsidium sind auch darum so wichtig, da es für die FDP um viel Macht geht. Wenn sie ihren Abwärtstrend nicht rasch und entschlossen stoppen kann, droht nach den nächsten Wahlen in zwei Jahren der Verlust eines der beiden Bundesratssitze.

Burkart habe den Wunsch geäussert, so die FDP in der Mitteilung, dass er ein «starkes, breit aufgestelltes Team aus Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten» erhält. Konkret soll dieses Team aus Ständerat Andrea Caroni (AR/bisher auch Vizepräsident), Nationalrat Philippe Nantermod (VS/bisher) sowie Ständerätin Johanna Gapany (FR) und Nationalrat Andri Silberschmidt (ZH) bestehen. Eine solch grosses Vizepräsidium würde eine Statutenänderung durch die Delegiertenversammlung bedingen.

Die Findungskommission der FDP habe «eine Reihe informeller Gespräche mit interessierten potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten» geführt. Die Entscheidung von Burkart, sich für das Präsidium zu bewerben, habe die Kommission «mit Freude zur Kenntnis» genommen. Burkart und sein Team wollen sich am Montagmittag vor den Medien präsentieren. Die Wahl findet am 2. Oktober statt. Am Sonntagabend ist die Meldefrist für die Kandidaten abgelaufen.

Die Karriere von Thierry Burkart in Bildern:

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.
14 Bilder
Burkart studierte an der Universität St. Gallen Jus. 2001 schafft er mit gerade einmal 25 Jahren den Sprung in den Grossen Rat. Grossratswahlen 2001: Thierry Burkart, FDP, Bezirk Baden. Bilddatum: 4. März 2001.
Von 2010 bis 2013 präsidierte er die Aargauer FDP. Im Bild: Die abtretende Präsidentin Doris Fischer-Taeschler gratuliert dem neuen Präsidenten Thierry Burkart zur Wahl.
2011 kandidiert der damals 36-jährige Burkart zum zweiten Mal für den Nationalrat – und schafft es hinter den Gewählten Philipp Müller und Corina Eichenbercher auf den ersten Ersatzplatz.
2014 wird Burkart zum Grossratspräsidenten gewählt. Im Hinblick auf das Präsidium gab er im Oktober 2013 seinen Rücktritt als Präsident der FDP Aargau.
Thierry Burkart bei seiner ersten Rede als neuer Grossratspräident.
Burkart ist auch Mitglied in diversen Vorständen Schweizerischer und kantonaler Verbände. So präsidiert er die TCS Sektion Aargau und agiert als Vizepräsident Touring Club Schweiz.
Burkarts politische Selbsteinschätzung lautet: «Sicher klar bürgerlich, liberal im Sinne von Freiheit, gegen unnötige Abgaben und Gebühren. Und der Staat soll das reglementieren, was er auch zu kontrollieren vermag.»
Burkarts klare Linie ist von Erfolg gekrönt: 2015 wird er mit einem Spitzenergebnis als Zweitplatzierter noch vor Corina Eichenberger in den Nationalrat gewählt.
In der grossen Kammer nimmt er Einsitz in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, in der Neat-Aufsichtsdelegation und ist Mitglied im Büro des Nationalrats.
Anfang 2018 rückt Burkart in den Vorstand der FDP Schweiz vor. Zu diesem Zeitpunkt blickt der 43-jährige Badener auf 18 Jahre Erfahrung in Parteiämtern zurück.
Neben seinem politischen Ämtern und Mitgliedschaften in diversen Verbänden ist er als Rechtsanwalt bei Voser Rechtsanwälte in Baden tätig. Privat beschreibt er sich als gesellig. Im Bild: Am AZ-Jasskönig-Event im Weinmuseum Tegerfelden 2018.
Nächster Meilenstein in Burkarts Karriere: Im Herbst 2019 wird er FDP-Ständerat.
Nun tritt Burkart in die Fussstapfen von Petra Gössi: Am 2. Oktober 2021 wird er zum neuen FDP-Präsidenten gewählt.

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.

Werner Rolli

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