Personalmangel
Bis 2029 fehlen in Spitälern und Altersheimen rund 20'000 Pflegende

Die Schweiz braucht immer mehr Pflegepersonal. Zwar konnte die Nachwuchsrekrutierung verbessert werden, noch immer steigen aber viele Pflegende frühzeitig aus dem Beruf aus.

Peter Walthard, Anna Wanner
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Pflegeberufe: Viele steigen vorzeitig aus. (Symbolbild)

Pflegeberufe: Viele steigen vorzeitig aus. (Symbolbild)

Keystone

Trotz intensiven Anstrengungen in den letzten Jahren droht der Schweiz bis 2029 eine Personallücke im Pflegebereich. Dies ist das Fazit des nationalen Versorgungsberichts 2021, der am Montag von der Gesundheitsdirektorenkonferenz und dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium veröffentlicht wurde. Der Bericht rechnet für 2029 mit einem Deckungsgrad von 67 Prozent bei Stellen, die einen Hochschulabschluss erfordern, und von 80 Prozent bei Pflegeberufen, für die ein Abschluss der Sekundarstufe II genügt. Insgesamt fehlen 2029 demnach rund 20'000 Pflegende.

Die Schätzungen beruhen auf der Annahme, dass es der Branche gelingt, in grossem Stil neue Arbeitskräfte auszubilden. Dies werde aber nicht von alleine gehen, heisst es im Bericht: «Die weitere Steigerung der Ausbildungszahlen stellt für die Branche eine grosse Herausforderung dar.» Zwar habe die Zahl der Abschlüsse zwischen 2012 und 2019 auf allen Qualifikationsstufen deutlich gesteigert werden können. Problematisch sei aber, dass viele ausgebildete Pflegekräfte nicht lange im Beruf blieben.

Vorzeitige Berufsaustritte und Verluste beim Übergang von der Ausbildung zum Eintritt in den Arbeitsmarkt erschwerten die Lage. Die Verfasser des Berichts fordern Politik und Behörden deshalb auf, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die es den Akteuren erlaubten, nicht nur genügend Gesundheitspersonal auszubilden, sondern das Personal auch dank angemessener Arbeitsbedingungen im Beruf zu erhalten.

Dreissig Prozent der Pflegenden hat ein ausländisches Diplom

So sollten die Arbeitgeber etwa bei den Arbeitszeiten verstärkt auf die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben achten: «Kurzfristig angekündigte Einsätze und Änderungen der Dienstpläne sind zu vermeiden, die Mitarbeitenden sind bei der Dienstplanung einzubeziehen», heisst es in dem Papier.

Die Personalsituation in der Gesundheitsbranche ist bereits heute angespannt. Eine Umfrage habe gezeigt, dass offene Stellen oft erst nach einer gewissen Zeit und mit hohem Rekrutierungsaufwand besetzt werden könnten, heisst es in dem Bericht. Viele Betriebe müssten deshalb auf Personalvermittlungen und temporäre Mitarbeitende zurückgreifen. Auch habe ein hoher Anteil der Pflegenden ein ausländisches Diplom. In Schweizer Spitälern und Pflegeheimen lag dieser 2019 bei 30 Prozent.

Dass die Schweiz stark auf Personal aus dem Ausland, insbesondere Grenzgängerinnen und Grenzgänger angewiesen sei, bezeichnete GDK-Präsident Lukas Engelberger laut einer Mitteilung als eine Abhängigkeit, die das Gesundheitswesen verletzlich mache. Dies habe sich nun in der Pandemie gezeigt, so Engelberger.

Für den Verband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner zeigt der Versorgungsbericht hingegen die Notwendigkeit für die sogenannte Pflegeinitiative. Diese würde die pflegerische Versorgung sichern und die die Abhängigkeit vom Ausland reduzieren, heisst es in einer Stellungnahme.

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