Pandemie
Vom Klassenbesten zum Sorgenkind: Tessiner Behörden kämpfen mit Omikron

Die exponentielle Ausbreitung der Covidmutante Omikron im Tessin macht den kantonalen Behörden grosse Sorgen. Optimistisch stimmt der Umstand, dass sich der Anstieg der Fallzahlen bislang nur schwach auf die Hospitalisierungsrate ausgewirkt hat.

Gerhard Lob
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Die Hospitalisierungsrate ist trotz Omikron im Tessin noch nicht stark gestiegen. (Symbolbild)

Die Hospitalisierungsrate ist trotz Omikron im Tessin noch nicht stark gestiegen. (Symbolbild)

Keystone

Täglich werden im Südkanton mittlerweile mehr als 1000 Personen positiv auf Corona getestet, mit Spitzenwerten von mehr als 2000 Personen. In den letzten 24 Stunden waren es 1528 positiv Getestete. «95 Prozent der positiv Getesteten sind auf Omikron zurückzuführen», sagte der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani am Freitag vor den Medien in Bellinzona. Alle Altersgruppen seien betroffen. Weniger als 10 Prozent der positiv Getesteten seien indes älter als 60 Jahre.

«Im Sommer und Herbst waren wir die Klassenbesten der Schweiz mit der geringsten Inzidenz, nun haben wir in kürzester Zeit den Rest der Schweiz rechts überholt», so Merlani. Die Geschwindigkeit der Ausbreitung habe die Behörden überrascht. Um die Weihnachtszeit habe sich die Zahl der positiv Getesteten alle zwei Tage verdoppelt.

Contact Tracing am Anschlag

Auf Grund der hohen Fallzahlen gebe es starke Verzögerungen beim Contact Tracing. Merlani rief die Bevölkerung dazu auf, Geduld zu haben, wenn Anfragen nicht sofort beantwortet werden könnten: «Es wäre, wie wenn plötzlich nicht 50 Zentimeter Schnee fallen, sondern fünf Meter.» Da dauere es länger mit der Schneeräumung. Die Testkapazitäten seien mit 4000 bis 4500 pro Tag am Limit.

Bisher hat sich die Explosion der Fälle nur schwach auf die Hospitalisierungsrate ausgewirkt. 153 Patientinnen und Patienten werden in den Spitälern des Kantons wegen Covid stationär behandelt, davon 14 in den Intensivstationen. Von 11 Patienten auf den Intensivstationen der öffentlichen Spitäler waren zwei geimpft, die anderen ungeimpft.

Weniger als die Hälfte der Covid-Patienten – zirka 45 Prozent – sind geimpft, die anderen ungeimpft. Diese Zahlen müssen jedoch proportional eingeordnet werden, da mittlerweile 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Anders gesagt: Das Risiko für Ungeimpfte, im Spital und in der Intensivstation zu landen, sind um ein Vielfaches höher als für Ungeimpfte. «Die extrem hohen Fallzahlen dürften zudem auch mittelfristig zu mehr Hospitalisierungen führen», meinte Merlani. Vorsicht sei auf alle Fälle angebracht.

Auswirkungen auf ÖV

Sorgen bereitet die hohe Zahl von Personen in häuslicher Isolation und Quarantäne. Denn sie kann für die öffentlichen Dienstleistungen und Privatunternehmen zu einer ernsten Gefahr werden. Verkehrsbetriebe haben zum Teil ihre Fahrpläne schon reduziert oder ganze Linien (Como/Mendrisio/Varese) eingestellt. Im Tessin befinden sich 15‘000 Personen in häuslicher Isolation. Pro isolierter Person werden 1,5 Personen in Quarantäne gerechnet. So ergibt sich eine Summe von zirka 37‘500 Personen in Isolation oder Quarantäne.

Die Zahlen dürfte weiter steigen, insbesondere nach dem Ende der Weihnachtsferien. Am Montag beginnt die Schule und viele Unternehmen nehmen ihren Betrieb wieder auf. Schulkinder ab der ersten Primarschulklasse müssen dann eine Gesichtsmaske tragen. Diese Woche war es sehr ruhig, am gestrigen Donnerstag mit dem Drei-Königs-Tag sogar ein Feiertag.

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