Pandemie
Private Treffen und Restaurants: Bundesrat geht bei den Öffnungen weiter als erwartet

Der Bundesrat geht bei den kommenden Lockerungsschritten weiter als geplant, insbesondere was private und öffentliche Veranstaltungen betrifft. Hart blieb die Regierung dagegen beim Thema Homeoffice.

Alice Guldimann
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Gesundheitsminister Alain Berset verkündete am Mittwoch die nächsten Lockerungen.

Gesundheitsminister Alain Berset verkündete am Mittwoch die nächsten Lockerungen.

Keystone

Am kommenden Montag macht die Schweiz einen grossen Schritt in Richtung Normalität. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom Mittwoch neue Lockerungen der Coronamassnahmen beschlossen. Sie gehen weiter als die Vorschläge, welche die Landesregierung vor zwei Wochen in die Vernehmlassung gegeben hatte. «Wir haben sehr viel Respekt vor dieser Situation», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien. «Aber wir sind zuversichtlich, dass wir uns diesen Schritt jetzt erlauben können.»

Die Impfkampagne funktioniere gut, man könne davon ausgehen, dass Ende Mai alle vulnerablen Personen, die es wollen, geimpft sind. Zudem gebe es seit mehreren Wochen einen Rückgang bei den Infektionen. «Wir sind der Meinung, dass die Schutzphase zum Ende kommt und jetzt die Stabilisierungsphase beginnt», so Berset. Deshalb wagte der Bundesrat am Mittwoch den bisher grössten Öffnungsschritt.

Einschränkungen für Versammlungen im öffentlichen Raum fallen weg

Obwohl keine Änderung geplant war, erhöht der Bundesrat die maximale Personenzahl für private Treffen von 10 auf 30 Personen in Innenräumen und von 15 auf 50 draussen. Veranstaltungen ohne Publikum wie Vereinsanlässe, aber auch Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern, die nicht in privaten Räumen stattfinden, sind wieder mit 50 Personen möglich. In der Konsultation hatte der Bundesrat 30 vorgeschlagen. Keine Einschränkungen mehr gibt es derweil für Menschenansammlungen im öffentlichen Raum.

Wie geplant können ab dem 31. Mai Restaurants ihre Innenräume nach einer langen Schliessung wieder öffnen. Innen gilt nach wie vor eine Beschränkung von vier Personen pro Tisch, aussen dürfen neu sechs Personen zusammen sitzen. Am Tisch muss laut einer Mitteilung des Bundesrates keine Maske mehr getragen werden. Auch an Publikumsveranstaltungen ist Essen und Trinken wieder erlaubt, das gilt gemäss Berset auch für Kinos. Dies allerdings nur, wenn die Besucher sitzen und deren Kontaktdaten erfasst werden.

Public Viewings und Chorkonzerte wieder möglich

Im Hinblick auf die Fussball-Europameisterschaft dürfte es viele freuen, dass Public Viewings in Restaurationsbetrieben erlaubt sind, sofern alle Vorgaben für Restaurants eingehalten werden. Wie bei allen Publikumsveranstaltungen sind ab dem kommenden Montag dabei 100 Personen in Innenräumen zugelassen, draussen 300 Personen. In Sport- und Kulturvereinen sind ab nächstem Montag wieder Proben oder Trainings mit maximal 50 Personen erlaubt, Wettkämpfe von Mannschaftssportarten oder Chor-Konzerte sind draussen zugelassen.

Der Bundesrat hat am Mittwoch ebenfalls festgelegt, wann Grossveranstaltungen wieder möglich sind. Auch hier hat er bei der Anzahl Personen, zumindest was Veranstaltungen im Aussenbereich betrifft, eine Anpassung nach oben vorgenommen. So sind bei den Pilotveranstaltungen im Juni in Innenräumen weiterhin 600 Personen zugelassen, im Freien neu 1000. Jeder Kanton kann fünf statt wie vorgesehen drei solche Pilotveranstaltungen durchführen.

Homeoffice-Empfehlung weiterhin nur mit regelmässigen Tests

Ab dem 1. Juli sind Grossveranstaltungen für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete dann wieder möglich. In Innenräumen sind dabei zunächst wie vorgesehen 3000 Personen zugelassen. Events, die draussen stattfinden und eine Sitzpflicht haben, dürfen neu 5000 Besucherinnen reinlassen. Für Festivals, bei denen die Gäste stehen, gilt ebenfalls eine Beschränkung von 3000 Personen. Der dritte Öffnungsschritt, ab dem Veranstaltungen mit bis zu 10'000 Personen wieder erlaubt sind, findet neu bereits am 20. August statt. Dieser ist laut Alain Berset eng mit dem Eintritt in die Stabilisierungsphase verknüpft, wenn alle impfwilligen Personen geimpft sind.

Während der Bundesrat in vielen Bereichen grössere Lockerungen beschlossen hat, blieb er beim Homeoffice hart. Wie in der Vernehmlassung vorgeschlagen wird die Homeofficepflicht nur für diejenigen Betriebe, die einmal in der Woche ihre Mitarbeitenden testen, in eine Empfehlung umgewandelt. Diese Regelung soll gemäss der Mitteilung erst fallen, wenn alle geimpft sind, die es wollen.