Coronapandemie
Experten warnen: Mit tieferen Temperaturen könnten Infektionen wieder ansteigen

Das Infektionsgeschehen in der Schweiz hat sich zwar beruhigt. Die vierte Welle ist aber nur abgeflacht. Mit Blick auf kältere Temperaturen erwarten Experten des Bundes einen erneuten Anstieg der Fallzahlen.

Dario Pollice
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Trotz Abflachen der vierten Welle: Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnt vor einem erneuten Anstieg der Fallzahlen.

Trotz Abflachen der vierten Welle: Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnt vor einem erneuten Anstieg der Fallzahlen.

Keystone

Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus und die Hospitalisierungen sind in der Schweiz weiterhin leicht rückläufig. Diesen Eindruck einer leichten Entspannung bestätigten am Dienstag vor den Medien in Bern auch die Corona-Experten des Bundes. «Die aktuellen Daten weisen darauf hin, das sich das Infektionsgeschehen leicht abgeschwächt hat», sagte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Aktuell sei die Inzidenz in der jungen, mobilen Bevölkerung am höchsten.

Eine Entwarnung wollten die Fachexperten indes nicht geben. Zum einen bleibe die Belastung in den Spitälern trotz sinkenden Hospitalisierungs-Zahlen weiterhin hoch. Zum anderen habe die Impfgeschwindigkeit mit 30'000 neuen Impfungen pro Tag zwar leicht zugenommen, doch insgesamt bleibe die Geschwindigkeit immer noch zu tief.

Zunehmend Probleme an Teststellen

Darüber hinaus warnte Patrick Mathys: «Mit den tieferen Temperaturen müssen wir davon ausgehen, dass das Infektionsgeschehen wieder an Fahrt aufnimmt.» Die Menschen in der Schweiz würden sich bei kälteren Temperaturen nämlich wieder öfter in Innenräumen aufhalten. Und dort sei das Risiko von Übertragungen nun einfach mal deutlich höher.

Coronatests sind derweil noch immer gefragt. Jedenfalls verzeichnen die Kantone eine hohe Nachfrage. Vor allem in der zweiten Wochenhälfte und Anfang der Woche steige die Nachfrage jeweils stark an, so Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz. Weil es zum Teil Wartezeiten gebe, käme es auch zu unschönen Szenen. «Leider stellen wir immer wieder fest, wie das Personal an Teststellen unflätig angegangen wird», sagte Hauri.

No News zum Impfstoff von Johnson & Johnson

An der Medienkonferenz gab auch ein eventueller Kauf des Impfstoffs von Johnson & Johnson durch den Bund zu reden. Dieser beruht im Gegensatz zu den in der Schweiz befristet zugelassenen Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna nicht auf der mRNA-Technologie und muss nur einmal verabreicht werden. Er gilt darum als Ausweichimpfung für Allergiker und Kritiker der mRNA-Impfstoffe. Der Bund gab vor Wochenfrist bekannt, dass er in Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen steht.

Ob sich Impfskeptiker gegenüber dem Impfstoff von Johnson & Johnson offener zeigen würden, wollte Patrick Mathys vom BAG nicht mutmassen: «Ich glaube, jemand der grundsätzlich gegen Impfungen ist, wird auch den Impfstoff von Johnson & Johnson ablehnen». Da wo Unsicherheiten bestünden, könne das in Bümpliz mitentwickelte Vakzin aber durchaus eine Alternative sein. Weiter wollte sich Mathys nicht zum Stand der Kaufverhandlungen äussern. «Wir kommunizieren, sobald der Vertrag unterschrieben ist.»

Psychische Gesundheit der Jugendlichen hat sich verschlechtert

Alain Di Gallo, Mitglied der wissenschaftlichen Corona-Taskforce und Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel, griff vor den Medien den Aspekt der psychischen Gesundheit auf: «Die Pandemie hat das Umfeld der Kinder durcheinandergebracht und gestört», so der Mediziner. Bis heute täten sich viele Kinder und Jugendliche schwer damit, den Weg in den Alltag zurückzufinden.

Die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen habe sich demnach «nachweislich verschlechtert». Laut Rückmeldungen von Fachpersonen aus Kliniken und Praxen hätten sowohl von psychische und psychosomatische Störungen zugenommen wie auch Suizidgedanken und -versuche.

Um so wichtiger sei es, so Di Gallo weiter, einer erneuten Schliessung der Schulen mit Schutzmassnahmen entgegenzuwirken: «Bis ein Impfstoff für Kinder verfügbar ist, bieten Schutzmassnahmen in den Schulen einen wirksamen Schutz.» Dazu gehören etwa regelmässiges Testen, Maskentragen, CO2-Sensoren und regelmässiges Lüften.

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