Öffentlicher Verkehr
Kontaktloses Bezahlen und Türöffner: Neue Swisspass-Karte sorgt für Kritik

Ab Mitte Dezember kommt die neue Generation der Swisspass-Karte zum Einsatz. Sie bietet Pendlern neben einem frischen Design auch neue Funktionen. Diese kommen beim Konsumenten- und Datenschutz nicht gut an.

André Bissegger, Dario Pollice
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So sieht der neue Swisspass aus, der ab Mitte Dezember ausgeliefert wird.

So sieht der neue Swisspass aus, der ab Mitte Dezember ausgeliefert wird.

zvg

Seit 2015 sind die roten Swisspass-Karten im Einsatz. Die Karte dient nicht nur als Speicherplatz für verschiedene ÖV-Abos, mit ihr lässt sich auch ein Mietauto öffnen und ein Leihvelo nutzen. Nun wird ab Mitte Dezember sukzessive eine neue Generation der Swisspass-Karte eingeführt, wie die ÖV-Branchenorganisation Alliance Swisspass am Mittwoch mitteilte. Der Pilotbetrieb mit der neuen Karte, an dem sich mehrere Hundert ÖV-Mitarbeitende sowie Transportunternehmen beteiligten, sei erfolgreich verlaufen.

Zuerst zugestellt wird die Karte an Neukundinnen und -kunden sowie bestehende Swisspass-Besitzerinnen und -Besitzer, deren Karten nach fünf Jahren abgelaufen sind. Sie können sich nicht nur auf ein neues Design freuen, die Karte ist auch robuster, hat mehr Speicherplatz und besitzt technische Voraussetzungen für erweiterte Funktionen. Diese können von Partnerfirmen künftig zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem Swisspass kontaktlos bezahlen

So kann der Swisspass zum kontaktlosen Bezahlen genutzt werden. Ausserdem können Unternehmen, die Sicherheitssysteme der Firma Legic einsetzen, die Karte als Zutritts- und Identifikationsmedium nutzen. Und er schafft die Möglichkeit, sich sicher im Internet anzumelden – dank dem weltweit genutzten Authentifizierungsstandard Fido, der eine vereinfachte Anmeldung bei Geräten und Webdiensten ermöglicht.

Trotz der neuen technischen Voraussetzungen: Die Alliance betont, dass die Abbildung und sichere Kontrolle von ÖV-Leistungen sowie die Angebote von diversen Partnerunternehmen weiterhin den Kern der Karte bilden. Dazu zählen etwa Skibillette, Auto- und Velomiete oder Parkplatznutzung.

Konsumentenschutz warnt vor Einführung der E-ID

Doch bevor die neuen Funktionen zum Einsatz kommen, werden sie bereits kritisiert. Die Stiftung Konsumentenschutz lässt in einer Mitteilung verlauten, dass es sich bei den Erneuerungen um «eine schleichende und unkontrollierte Einführung einer elektronischen Identität (E-ID)» handle. Dabei habe das Volk im vergangenen Frühling eine durch Unternehmen betriebene E-ID deutlich verworfen.

Darüber hinaus moniert der Konsumentenschutz, dass Swisspass die Datenschutz-Erklärung bisher nicht angepasst und den Eidgenössischen Datenschützer (EDÖB) nicht konsultiert habe. Aus diesem Grund fordert die Stiftung, dass die Karte nicht herausgegeben werden soll, bevor «grundlegende Fragen des Datenschutzes» geklärt sind.

Datenschützer will Sitzung mit SBB

Ein Sprecher des EDÖB bestätigt auf Nachfrage von CH Media, dass der Datenschutzbeauftragte weder in das Vorhaben involviert noch über die Lancierung des neuen Swisspasses vorinformiert worden sei. Allerdings unterstreicht er, dass der EDÖB keine Genehmigungsbehörde sei. Folglich bestehe für privatwirtschaftlich organisierte Betreiber nach dem geltenden Datenschutzgesetz «keine rechtliche Verpflichtung, eine aufsichtsrechtliche Beratung unserer Behörde in Anspruch zu nehmen.»

Der Eidgenössische Datenschützer habe jedoch Kontakt mit dem Datenschutzverantwortlichen der SBB aufgenommen. Er werde zeitnah eine Sitzung mit dem Verantwortlichen der Bundesbahnen abhalten und über das weitere Vorgehen entscheiden.

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