Öffentlicher Verkehr
Innovative Modelle: ÖV-Branche will Verkehrsanteile gewinnen

Der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen in der Schweiz stagniert bei 28 Prozent. Mit verschiedenen Massnahmen will die Branche diesen Anteil nachhaltig steigern.

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Die ÖV-Branche will ihren Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen steigern.

Die ÖV-Branche will ihren Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen steigern.

Keystone

28 Prozent der täglich zurückgelegten Distanzen werden in der Schweiz mit Bahn, Bus, Tram oder Postauto gefahren. Die restlichen 72 Prozent entfallen unter anderem auf den privaten motorisierten Strassenverkehr. Damit stagniere der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen – der sogenannte Modalsplit – seit Jahren, teilte der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) am Montag mit.

Das soll sich ändern: Eine vom Verband in Auftrag gegebene Studie hat mehrere Massnahmen identifiziert, um den Modalsplit nachhaltig zu steigern. Sie betreffen gemäss VöV verschiedene Interventionsbereiche: das Verkehrsangebot, die Nachfrage, die räumliche Entwicklung und die Zeitaspekte des Mobilitätsverhaltens.

Steigerung wichtig für Klimaziele

Werden die Massnahmen koordiniert, dann könnten sie «eine wesentliche Steigerung des ÖV-Modalsplit ermöglichen», erhofft sich der Verband. Das ist beispielsweise wichtig, um die Klimaziele zu erreichen. Dies gelinge nur mit einem «tiefgreifenden Wandel des Mobilitätsverhaltens» und einer «drastischen Reduktion des auf fossilen Brennstoffen basierten Verkehrs». Das Papier ist als Arbeitsgrundlage gedacht, um Projekte, Studien oder Pilotversuche zu lancieren.

Gemäss Verband sind die Transportunternehmen dabei genauso gefordert wie die Politik und die Behörden. Sie trafen sich am Montag zur VöV-Tagung, diskutierten und präsentierten bereits lancierte Massnahmen. So setze Postauto in Appenzell auf ein «On Demand»-Ruftaxi oder auf das Projekt «Mobility as a service». Darin ist ein Abonnement für verschiedenste Mobilitätsformen gültig. Auch die SBB knüpft hier an und will künftig unterschiedliche Mobilitätsformen noch stärker integrieren, wie SBB-Chef Vincent Ducrot sagte.

Bundesrätin sieht Hausaufgaben für den ÖV

Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga hielt an der Tagung ein Referat. Sie lobte den ÖV als klimafreundlich, platzsparend und «unschlagbar effizient» beim gleichzeitigen Transport von vielen Menschen. Sie sieht Potenzial, mit den richtigen Massnahmen mehr Personen in den ÖV zu bringen. «Dazu sind nicht nur Ausbauten nötig – auch eine geschickte Kombination der verschiedenen Verkehrsträger muss zur Strategie der Weiterentwicklung des ÖV gehören», sagte sie.

Potenzial sieht sie auch beim «Tarifdschungel», bei Verbindungen, bei denen der ÖV deutlich schlechter sei als die Strasse, in den Agglomerationen und im grenzüberschreitenden Verkehr. «Vor allem brauchen wir einen ÖV, der sich durch Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit auszeichnet.» Dies seien letztlich die zentralen Qualitäten und Vorteile des ÖV. Diese hätten in letzter Zeit jedoch zu wünschen übrig gelassen, kritisierte sie. (abi)

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