Neuer Bericht
Das Natel soll auch bei Strommangel funktionieren. Das könnte die Abos teurer machen

Was passiert, wenn es zu wenig Strom hat? Der Bund möchte, dass das Natelnetz auch dann funktioniert, etwa um Notrufe zu tätigen. Das ist nicht nur teuer, es bräuchte auch Dieselaggregate bei den Handyantennen.

Lucien Fluri
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Soll auch im Notfall funktionieren: Natelantenne.

Soll auch im Notfall funktionieren: Natelantenne.

Peter Klaunzer/Keystone

Bestens war die Schweiz nicht auf die Coronapandemie vorbereitet. Wichtiges Material fehlte, obwohl dies eigentlich an Lager hätte sein müssen. Für eine anderen Gefahr aber, die der Schweiz drohen könnte und deren Auswirkungen ebenfalls gravierend wären, will der Bund nun Vorsorgemassnahmen treffen. Nämlich für eine Strommangellage, also eine Zeitspanne von mehreren Tagen oder Wochen, in der die gewohnte Stromversorgung nicht gewährleistet wäre.

Soeben hat das Bundesamt für Kommunikation einen Bericht veröffentlicht, der Vorsorgemassnahmen für diesen Fall vorschlägt – und zwar in Bezug auf das Natelnetz. Denn eine gravierende Störung der Fernmeldedienste «würde die gesamte Schweizer Volkswirtschaft in kaum vorstellbarem Ausmass treffen, das Leben der Bevölkerung erheblich beeinträchtigen und die Arbeit der Behörden massiv behindern», mahnt der Bericht die Dringlichkeit des Vorhabens an.

Nur Notrufe oder auch Radio- und Fernsehstreaming?

Der Vorteil des Vorhabens: Weil die Handys über Akkus betrieben werden, sind sie, im Gegensatz zur Festnetztelefonie, für eine bestimmte Zeit lang auch bei einem Ausfall der Stromversorgung weiterhin nutzbar. Notrufe könnten also getätigt werden. Die Betreiber kritischer Infrastrukturen könnten Daten austauschen. Über Streaming- und Nachrichtenapps könnte sich die Bevölkerung informiert halten. Damit das Netz im Ernstfall funktioniert, werden Dieselaggregate vorgeschlagen, die bei den Natelantennen platziert werden. Das Vorhaben sei aufwendig, hält der Bericht fest, könnten doch für die Installation der Aggregate erneute Baugesuche notwendig werden.

Nicht alle Anlagen müssen jedoch mit Aggregaten – oder in Zukunft vielleicht mit Brennstoffzellen – ausgerüstet werden. Durch eine temporäre Aufhebung der Strahlungsgrenzwerte könne im Krisenfall ein Teilausfall er Antennen kompensiert werden. Teuer wird das Vorhaben jedoch so oder so. Jährlich könnte diese Notfallvorsorge 40 bis 90 Millionen Franken kosten. Diese Kosten müssen aus Sicht des Bundes die Mobilfunkanbieter tragen. Diese dürften sie jedoch an die Kundinnen und Kunden weitergeben.

Der Nutzen wäre grösser als die Kosten

Weil die Nutzer im Notfall profitieren würden von funktionierenden Netzen, sei «eine Überwälzung der Kosten auf die Abonnementsgebühren gerechtfertigt», schreibt der Bund. Laut den Schätzungen im Bericht würde dies für die Konsumenten pro Monat und Abo zwischen 30 und 70 Rappen ausmachen. Allerdings würde der Nutzen für Bevölkerung und Wirtschaft auch bis zu 550 Millionen Franken betragen, wenn auch in der Krise das Netz aufrechterhalten werden kann.

Wie viele Stationen über die Aggregate verfügen sollten, ist auch abhängig davon, welche Infrastruktur im Notfall zur Verfügung stehen soll; etwa ob die Bevölkerung nur Notrufe tätigen können muss, oder ob auch Daten übertragen werden sollen. Anstreben will der Bund langfristig eine Versorgung inklusive Daten. In den nächsten fünf bis zehn Jahren soll das Vorhaben angegangen werden.

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