Gesellschaft
Stopp der sexualisierten Gewalt: 150 Organisationen lancieren Kampagne

Viele Betroffene, trotzdem kein Thema: Sexualisierte Gewalt an Frauen. Nun machen über 150 Organisationen während 16 Aktionstagen auf das Thema aufmerksam.

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Sexualisierte Gewalt an Frauen kennt viele Formen. (Symbolbild)

Sexualisierte Gewalt an Frauen kennt viele Formen. (Symbolbild)

Keystone

Ob unerwünschte Berührungen, verbale Belästigung oder Vergewaltigung: Sexualisierte Gewalt kennt viele Formen und wird in allen gesellschaftlichen Schichten verübt – und zwar an den unterschiedlichsten Orten und in verschiedensten Konstellationen: zuhause, in Paarbeziehungen, in Familien, am Arbeitsort, in der Schule oder der Ausbildung, im öffentlichen Raum und im Internet. Das teilte die feministische Friedensorganisation cfd am Mittwoch mit. Und obwohl mindestens jede zweite Frau in der Schweiz gemäss einer Studie davon betroffen sei, werde dies wenig thematisiert.

Das soll sich mit der Präventionskampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» ändern: Über 150 Partnerorganisationen organisieren in der Deutsch- und Westschweiz sowie in Liechtenstein über 130 Veranstaltungen und Aktionen und machen so auf das Thema aufmerksam. Die Kampagne, die von cfd koordiniert wird, startet am Donnerstag und dauert bis am 10. Dezember. Geplant sind etwa Podiumsdiskussionen, Lesungen, Strassenaktionen und orange beleuchtete Gebäude. Am Mittwoch wurde sie vor den Medien präsentiert.

Anpassungen und mehr Massnahmen gefordert

«Verbale Belästigung und andere Verhaltensweisen, die Frauen objektifizieren, bilden den Nährboden für grössere Übergriffe und werden doch meist als ‹normal› hingenommen», wird Kampagnenleiterin Anna-Béatrice Schmaltz in der Mitteilung zitiert. Darin liege das Problem, das alle angehe. Für sie ist klar: «Sexualisierte Gewalt muss endlich ernst genommen werden. Wir müssen über diese Gewalt sprechen.»

Daher fordert cfd mehr Präventionsmassnahmen und eine adäquate Unterstützung von Betroffenen. Denn diesen würde noch immer häufig eine Mitschuld gegeben. Zudem müsse das Schweizer Sexualstrafrecht «dringend» angepasst werden. Konkret soll das Konsensprinzip «nur Ja heisst Ja» im Gesetz und in der Gesellschaft angewandt werden.

Ein erster Schritt dazu soll in der am Montag beginnenden Wintersession geschehen. Die Berner SP-Nationalrätin Tamara Funiciello kündigte in ihrer Rede einen gemeinsamen Vorstoss von verschiedenen National- und Ständerätinnen an. Ziel sei eine regelmässige nationale Präventionskampagne gegen sexualisierte, häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt analog zur Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen». (abi)

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