NATUR
Nach Nein zu Jagdgesetz: Bundesrat strebt Lockerung des Wolfsschutzes an

Bei Konflikten mit Nutztieren sollen die Kantone rascher Wölfe abschiessen dürfen. Das schlägt der Bundesrat vor. Den Auftrag dazu hat ihm das Parlament erteilt.

Reto Wattenhofer
Merken
Drucken
Teilen
Der Wolf ist in den letzten Jahren zum Politikum geworden. (Symbolbild)

Der Wolf ist in den letzten Jahren zum Politikum geworden. (Symbolbild)

Keystone

Das Verdikt fiel knapp aus. 52 Prozent des Stimmvolks lehnten vergangenen September das neue Jagdgesetz ab. Damit sprach es sich auch dagegen aus, dass die Kantone vorbeugend Wölfe abschiessen können. An dem Abstimmungssonntag zeigte sich ein klassischer Graben zwischen Land und Stadt. Dass das Thema politisch noch nicht gegessen ist, offenbarte sich schliesslich auch im Parlament. National- und Ständerat forderten den Bundesrat in der Frühjahrssession mit gleichlautenden Motionen auf, seinen Handlungsspielraum innerhalb des geltenden Jagdgesetzes auszunutzen.

Keine Zeit verlieren möchte nun auch der Bundesrat. Die wachsende Verbreitung des Wolfs könne zu Konflikten zwischen Grossraubtieren und der Nutztierhaltung führen, vor allem im Berggebiet, argumentiert er. Nun hat die Landesregierung am Mittwoch eine Gesetzesrevision vorgestellt. Kantone sollen künftig früher in Wolfsbestände eingreifen können, wenn es zu Konflikten kommt. So soll das Nebeneinander von Menschen, Wölfen und Nutztieren möglich bleiben, wie das Bundesamt für Umwelt in einer Mitteilung schreibt.

Bundesrat wahrt Verdikt der Stimmbevölkerung

Konkret sollen für den Abschuss zehn gerissene Schafe oder Ziegen genügen. Heute liegt die Schwelle bei 15 Nutztieren. Voraussetzung ist allerdings, dass zuvor Massnahmen zum Herdenschutz ergriffen wurden. Für Gebiete, wo Wölfe bislang keine Schäden angerichtet haben, möchte der Bundesrat die Schwelle ebenfalls senken: Von 25 auf 15 gerissene Nutztiere in einem Monat oder neu 25 Nutztiere in vier Monaten, bislang waren es hier 35 Tiere.

Gleichzeitig will der Bundesrat den Herdenschutz stärken. Die Palette der vom Bund unterstützten Massnahmen soll erweitert und die Kantone mehr entschädigt werden. Nach Ansicht des Bundesrates soll der Schutz der Herden aber weiterhin Sache der Bäuerinnen und Bauern bleiben.

Nun schickt der Bundesrat die Vorschläge in die Vernehmlassung. Eine Kritik nimmt er dabei aber gleich vorweg: Damit werde das Resultat der Volksabstimmung von letztem September gewahrt. Die Revision sehe keine präventive Regulierung von Wölfen vor. Die Kompetenzen für Eingriffe in Rudel blieben beim Bund.