Geldpolitik
Nationalbank-Vize Fritz Zurbrügg hält Negativzinsen derzeit für nötig

Der Vizepräsident der Nationalbank, Fritz Zurbrügg, zeigt sich besorgt über die Entwicklung an den Immobilienmärkten. Zudem ist er überzeugt, dass der Negativzins weiter notwendig sei.

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Fritz Zurbrügg ist seit 2015 Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank.

Fritz Zurbrügg ist seit 2015 Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank.

Keystone

Seit einiger Zeit mehren sich die Warnungen vor dem Platzen einer Immobilien-Blase in der Schweiz. Eine Entwarnung vonseiten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gibt es nicht. Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt Vizedirektor Fritz Zurbrügg, dass niemand mit Sicherheit sagen könne, ob es eine Blase an den Immobilienmärkten gibt oder nicht. «Wir können aber sagen, dass die Risiken gestiegen sind und wir uns nicht zurücklehnen dürfen.»

Stresstests der Nationalbank haben laut Zurbrügg allerdings gezeigt, dass trotz der gestiegenen Risiken die meisten Banken aktuell über genügend Kapital verfügen sollten. Und: «Auch wenn sich die Risiken vergrössern, heisst das nicht, dass eine schwere Krise eintreten wird.»

Zinserhöhung würde Franken zu stark aufwerten

Mit Blick auf die Tiefzinslage sagt Zurbrügg, dass die Zinsen seit drei Jahrzehnten in allen Industrieländern sinken würden. «In der Schweiz waren sie historisch schon seit langem tiefer als in den umliegenden Ländern.» Sinken die Zinsen weltweit, dann müsse auch der Leitzins der Nationalbank tiefer sein als in anderen Staaten, so der SNB-Vizedirektor. «Sonst wertet der Franken markant auf, und wir können unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, weil der Frankenkurs das Preisniveau stark beeinflusst.»

Aus diesem Grund sei der Negativzins weiter notwendig. Eine Erhöhung würde gemäss Zurbrügg den Franken deutlich aufwerten; dadurch ginge das Wirtschaftswachstum zurück und die Arbeitslosigkeit würde steigen. Bei den Zentralbanken sei man sich weitgehend einig, dass es aktuell effizienter sei, mit gezielten Massnahmen die Risiken an den Immobilien- und Hypothekarmärkten zu mindern, als die Zinsen zu erhöhen. (dpo)

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