Nach der Coronakrise
SP will Selbständige in die Sozialversicherungen integrieren

Selbständigerwerbende sind gerade in Krisenzeiten sozial schlechter abgesichert als Arbeitnehmende. Dies zeigt eine von der SP in Auftrag gegebene Studie. Nun fordert die Partei politische Konsequenzen.

Peter Walthard
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Auch wer einen Coiffeursalon hat, soll künftig in Sozialversicherungen einzahlen müssen um im Krisenfall profitieren zu können. (Symbolbild)

Auch wer einen Coiffeursalon hat, soll künftig in Sozialversicherungen einzahlen müssen um im Krisenfall profitieren zu können. (Symbolbild)

Keystone

Die Coronakrise hat Selbständigerwerbende besonders hart getroffen. Dabei ist ihre soziale Absicherung oft lückenhaft. Zu diesem Schluss kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Fachhochschule der italienischsprachigen Schweiz (SUPSI). Den Auftrag dazu erteilt hat ihr die SP Schweiz. Laut der SUPSI-Studie zahlt ein Viertel der Selbständigen weder in die zweite noch in die dritte Säule ein. Zudem sei die Unfallversicherung freiwillig und eine Arbeitslosenversicherung für vollständig Selbständigerwerbende gebe es nicht.

Dazu komme, dass Sozialversicherungsleistungen vom offiziell angegebenen Lohn abhängig seien, schreibt die SP in einer Zusammenfassung der SUPSI-Studie. Wer tiefe Löhne meldet, etwa um Steuern zu sparen oder um die Liquidität des Unternehmens hoch zu halten, erhält im Notfall entsprechend weniger Leistungen. Die Auswirkungen hätten sich nun beim befristeten Erwerbsersatz infolge der Coronakrise gezeigt, so das Fazit der Studie laut Mitteilung der SP Schweiz.

Ziel ist die einheitliche Sozialversicherung

Die Sozialdemokraten wollen die Studie zum Anlass nehmen für weitgehende politische Forderungen. Kranken- und Unfallversicherung etwa sollen für Selbständige obligatorisch werden, schreibt die Partei in ihrer Medienmitteilung. Auch sollen sie in die Erwerbsersatzordnung integriert werden. Mit Blick auf Scheinselbständige, die von einem bestimmten Auftraggeber abhängig sind, will die SP zudem die Kantone verpflichten, das Arbeitsgesetz auch bei «Anbietern der Plattform-Ökonomie» durchzusetzen.

Ziel der SP ist eine einheitliche Sozialversicherung, in die sowohl Selbständige als auch Arbeitnehmende einzahlen müssten. «Jetzt wollen wir dauerhafte Lösungen, die in Richtung einer allgemeinen Erwerbsversicherung als Zusammenzug beziehungsweise Ablösung aller Sozialversicherungen während der Erwerbsperiode gehen», wird Ständerätin Marina Carobbio (SP/TI) in der Mitteilung zitiert. Die SP werde in der Sommersession im Parlament einen entsprechenden Vorstoss einreichen.