Medikamente
Einfachere Einzelfallprüfung: Krankenkassen lancieren Plattform

Bislang prüfte jede Krankenkasse einzeln, ob sie ein noch nicht durch den Bund zugelassenes Medikament bezahlen will. Damit soll nun Schluss sein.

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Gerade für neue Krebstherapien werden oft noch nicht zugelassene Medikamente verwendet. (Symbolbild)

Gerade für neue Krebstherapien werden oft noch nicht zugelassene Medikamente verwendet. (Symbolbild)

Keystone

38'000 Mal wurde 2019 ein Gesuch zur Kostenübernahme von Arzneimitteln ohne Zulassung gestellt. In all diesen Fällen prüften die Krankenkasse selber, ob sie die Medikamente bezahlen oder nicht. Damit soll nun Schluss sein, wie der Krankenkassenverband Curafutura in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Zu diesem Zweck wollen die CSS, Helsana, Sanitas und KPT sowie die Swica eine gemeinsame Plattform gründen.

Darauf wollen sie ihre «Studienratings konsolidieren» und die Bewertungen verfügbar machen. Bei noch nicht zugelassenen Medikamenten müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, damit sie trotzdem vergütet werden können. So würden unter anderem «Wirksamkeit, Sicherheit sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis» überprüft. Solche Prüfungen seien etwa bei neuen Krebstherapien nötig. Oder dann, wenn ein Medikament zusätzlich auch für ein neues Krankheitsbild eingesetzt werden könne.

Versicherer sollen Zulassung beantragen können

«Die Datenbank sorgt dafür, dass die klinische Beurteilung in einem bestimmten Kontext für alle gleich ist», schreibt Curafutura. Durch die breitere Analyse sei «eine ausgewogene und objektive Bewertung auf Basis klinischer wissenschaftlicher Publikationen gewährleistet». Neben den bereits beteiligten Krankenkassen stehe die Plattform allen anderen interessierten Versicherern offen.

Diese Einzelübernahmen von Medikamenten sei ein wichtiges Instrument, «um sicherzustellen, dass Patienten so schnell wie möglich Zugang zu neuen Behandlungen erhalten.» Heute sei es aber teilweise so, dass Hersteller von Arzneimitteln auf eine Aufnahme in die Spezialitätenliste des Bundes verzichten würden. Dies, da es für die Hersteller finanziell attraktiver sein könne, «wenn ein Arzneimittel nicht automatisch, sondern von Fall zu Fall erstattet wird.»

Hier will Curafutura ansetzen: «Neu sollen auch Versicherer das Recht erhalten, die Zulassung und die Aufnahme eines Medikaments in die Spezialitätenliste zu beantragen», so der Verband. Bislang haben dieses Recht ausschliesslich die Hersteller. (mg)

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