Machtübernahme der Taliban
Schweiz prüft Weiterführung der Entwicklungsprogramme in Afghanistan

Die Schweiz hat bisher eine halbe Milliarde Franken in Afghanistan ausgeben und prüft nun, wie die Projekte weitergeführt werden können. Zudem soll Aussenminister Ignazio Cassis eine Afghanistan-Konferenz planen.

Gina Bachmann
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In den letzten 20 Jahren zahlte die Schweiz eine halbe Milliarde Franken für humanitäre Hilfe und Entwicklung in Afghanistan. (Symbolbild)

In den letzten 20 Jahren zahlte die Schweiz eine halbe Milliarde Franken für humanitäre Hilfe und Entwicklung in Afghanistan. (Symbolbild)

Keystone

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat die Schweiz ihr Kooperationsbüro in Kabul geschlossen – zumindest vorübergehend. Wie das Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage schreibt, prüft man derzeit, wie den Bedürfnissen der Bevölkerung unter den veränderten Bedingungen nachgekommen werden kann. «Die laufenden und künftigen Programme werden entsprechend angepasst», schreibt ein Sprecher. Zuerst über die mögliche Fortführung der Programme berichtet hatten der «SonntagsBlick» und die «SonntagsZeitung».

Weiter bestätigte das EDA eine Recherche der Sonntagszeitungen, wonach die Schweiz in den letzten zwanzig Jahren eine halbe Milliarde Franken in die Projekte in Afghanistan investiert hat. Die Zahlen, die auch CH Media vorliegen, zeigen: Mit 300 Millionen Franken ging der Grossteil an die Entwicklungszusammenarbeit. Rund 150 Millionen wurden für die Humanitäre Hilfe eingesetzt. Wann und wie die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza) ihre Arbeit wieder aufnehmen kann, ist gemäss dem EDA noch offen.

Plant Cassis einen Coup mit internationaler Afghanistan-Konferenz?

Auch auf politischer Ebene könnte sich die Schweiz bald aktiv einbringen. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtete, sind im Departement von Aussenminister Cassis Abklärungen für eine Afghanistan-Konferenz im Gange. Er soll dafür Staatssekretärin Livia Leu beauftragt haben.

Auf Anfrage von CH Media bestätigt das Aussendepartement diese Information nicht direkt, dementiert sie aber auch nicht. Ein Sprecher schreibt: «Die Schweiz steht seit vielen Jahren mit allen Akteuren im Kontakt und verfügt über entsprechende Zugänge. Sie ist immer bereit, gute Dienste zu leisten, sei dies als Gaststaat zur Organisation internationaler Treffen oder zur Fazilitation von Gesprächen.»

Höhere Priorität hat aber wohl derweil die Rettungsaktion der 230 Schweizer Staatsangehörigen und lokalen Angestellten aus Afghanistan. Ein Evakuierungsflug, der die Personen dieses Wochenende im Usbekischen Taschkent hätte abholen sollen, wurde aufgrund der prekären Sicherheitslage verschoben.

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