Landwirtschaft
Stunk ums Güllen: Nationalrat beharrt auf Obligatorium für Schleppschlauch

Wie sollen Bauern die Gülle auf ihren Feldern ausbringen dürfen? Darüber ist in der Politik ein erbitterter Streit entstanden – mit überraschendem Ausgang: Der Nationalrat hat sich nicht auf die Seite der Landwirte geschlagen.

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Mit einem Schleppschlauch wird die Gülle nah am Boden ausgetragen.

Mit einem Schleppschlauch wird die Gülle nah am Boden ausgetragen.

Boris Bürgisser

Seit über einem Jahrzehnt erhalten Bauern Geld, wenn sie beim Ausbringen von Gülle einen sogenannten Schleppschlauch einsetzen. Die Gülle wird so näher am Boden verteilt, wodurch weniger umweltschädliche Ammoniakemissionen entstehen. Der Bund hat diese Technik bisher mit 160 Millionen Franken gefördert. Die Bauern erhalten heute maximal viermal pro Jahr 30 Franken pro Hektare, wenn sie mit Schleppschlauch güllen.

Doch der finanzielle Anreiz hat nach Ansicht des Bundesrats ausgedient. Die Zahl der Betriebe, die einen Schleppschlauch einsetzen, stagniert. Der Bundesrat setzt daher auf ein Obligatorium: Ab 2022 gilt dieses grundsätzlich für alle Bauern. Ausnahmen gelten etwa für sehr steile Hänge und kleine Parzellen. Der Anteil der Gülle, die mit dem Schleppschlauch ausgebracht wird, soll so von gut 40 auf 70 Prozent steigen.

Keine Mehrheit für Obligatorium

Diesen Weg heisst auch der Nationalrat gut. Er hat am Donnerstag eine Motion des Zuger Ständerates Peter Hegglin (Die Mitte) mit 102 zu 83 Stimmen abgelehnt – gegen den Willen der vorberatenden Kommission. Diese wollte das Obligatorium kippen, bevor es überhaupt eingeführt wird. Damit steht der Einführung nichts mehr im Wege.

Ein sinnvolles Förderprogramm bringe mehr als ein Zwang für die Bauern und Bäuerinnen, argumentierte Markus Ritter (Die Mitte/SG) im Namen der Kommission. Ein Obligatorium würde dagegen negative Folgen mit sich bringen: Weil das System teurer ist, würden es Betriebe gemeinsam kaufen. Dadurch könne beim Ausbringen der Gülle weniger auf das Wetter Rücksicht genommen werden. Dies habe wiederum einen grossen Einfluss auf die Ammoniakemissionen.

SP, Grüne und GLP beurteilten das anders. Mit dem bisherigen Anreizsystem liessen sich keine Fortschritte mehr erzielen, gab Jürg Grossen (GLP/BE) zu bedenken. Eine weitere Reduktion der Ammoniakemissionen sei deshalb nur mit einem Obligatorium zu erreichen. Laut Grossen wirkt sich die Massnahme auch nicht negativ auf die Produktion aus. (rwa/mjb)

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