Kunstsammlung
Zürcher Stadtpräsidentin fordert mehr Transparenz im Streit um Bührle-Sammlung

Bührle-Affäre im Kunsthaus: Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch möchte, dass der Leihvertrag veröffentlicht wird. Auch ein vorzeitiger Abgang des Kunsthaus-Direktors soll diskutiert werden.

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Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch fordert mehr Transparenz.

Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch fordert mehr Transparenz.

Keystone

Neues Kapitel in der Affäre um die Bildersammlung des Waffenfabrikanten Emil G. Bührle im Zürcher Kunsthaus: Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch fordert im Streit um die Kunstsammlung mehr Transparenz. Konkret geht es um die Provenienzenforschung der Bilder, die unabhängig evaluiert werden soll. Diese Forderung würden sie in den erneuerten Subventionsvertrag mit dem Kunsthaus aufnehmen. «Das Kunsthaus muss die Grundsätze des Washingtoner Abkommens und der Erklärung von Theresienstadt einhalten – im Umgang mit eigenen Werken, aber auch mit Leihgaben», sagte Mauch am Freitag gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung».

Diese Neuerung im Subventionsvertrag hätte auch Auswirkungen auf den Leihvertrag mit der Bührle-Stiftung, der ebenfalls neu verhandelt werde. Die Stadt ist dort nicht Vertragspartei. Mauch sei jedoch bestätigt worden, dass die Verhandlungen zwischen den Vertragspartnern laufe. Dieser neue Leihvertrag soll danach öffentlich gemacht werden. «Ich bin klar der Meinung, dass er in dieser von Misstrauen geprägten Lage veröffentlicht werden soll, auch wenn das bei solchen Verträgen unüblich ist», sagte die Stadtpräsidentin. «Und wenn der neue Leihvertrag veröffentlicht wird, dann muss auch der alte publik gemacht werden – im Sinne der Transparenz.» Sie geht davon aus, dass dies noch im Januar geschehen soll.

Frühzeitiger Abgang des Direktors wird zum Thema

Nach einer Medienkonferenz Mitte Dezember steht der Kunsthaus-Direktor Christoph Becker wegen mutmasslichen Falschaussagen unter Druck. Im Gespräch bringt Mauch einen vorzeitigen Abgang von Becker ins Spiel. Seine designierte Nachfolgerin Ann Demeester ist ab Sommer in Zürich tätig und übernimmt offiziell Anfang 2023.

«Ich will, dass der Zeitpunkt der Übergabe des Bührle-Dossiers im Vorstand der Kunstgesellschaft, des Trägervereins des Kunsthauses, ernsthaft diskutiert wird», sagte Mauch. «Darum habe ich eingebracht, dass dem Vorstand die Modalitäten betreffend den Übergang zur neuen Direktorin unterbreitet werden.» Zentral sei, dass eine transparente Übergabe mit klar geregelten Kompetenzen stattfindet.

Im Oktober 2021 hat das Kunsthaus seinen Erweiterungsbau eröffnet. Herzstück ist die Sammlung von Emil G. Bührle mit rund 200 Werken. Kurz darauf gab es massive Kritik zum Umgang mit der Sammlung und der Aufarbeitung der Herkunft. Der Verdacht: Im Kunsthaus könnte Raubkunst aufgehängt sein. (abi)

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