Grosseinsatz
Krawalle verhindert: St. Galler Polizei hat über 500 Personen weggewiesen

Nachdem auf sozialen Medien zu Gewalt aufgerufen worden war, führte die Stadtpolizei St. Gallen am Sonntagabend rigorose Personenkontrollen durch. Ausschreitungen blieben aus.

Peter Walthard
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Beitrag: Silja Hänggi

Mit ausgedehnten Personenkontrollen reagierte die Stadtpolizei St. Gallen am Sonntagabend auf Aufrufe zu Ausschreitungen, die seit den Krawallen vom Freitag in sozialen Medien kursierten. Zuvor hatte sie an Eltern appelliert, Jugendliche nicht nach St. Gallen zu lassen. Am Montag zog die Polizei eine positive Bilanz: Es habe keine Ausschreitungen und keine Verletzten gegeben, auch Sachschaden habe weitgehend verhindert werden können. Allerdings sprach die Polizei zwischen 18.00 und 01.00 Uhr rund 500 Wegweisungen aus. Diese hätten Personen betroffen, die den Gewaltaufrufen folgten oder als Schaulustige mögliche Ausschreitungen miterleben wollten, schreibt die Stadtpolizei in ihrer Mitteilung vom Montag. 60 Personen wurden verhaftet.

Bei dem Einsatz seien ausserdem mehrfach gefährliche Gegenstände sichergestellt worden. So habe eine Person 2,5 Liter Brennsprit und mehrere kleine Flaschen mitgeführt – mutmasslich zur Herstellung von Molotow-Cocktails. Auch Pyros, Vermummungsmaterial und ein Messer seien gefunden worden. Eine Person sei wegen Fremd- und Eigengefährdung in Gewahrsam genommen worden.

Wegweisung hat für die Betroffenen auch in Zukunft Konsequenzen

Trotz der massenhaften Personenkontrollen und der zahlreichen Wegweisungen sei der Einsatz verhältnismässig gewesen, schreibt die Polizei. Nach den Krawallen vom Karfreitag und den Gewaltaufrufen in sozialen Medien sei klar gewesen, dass es hier nicht einfach um die Durchsetzung der Corona-Massnahmen gehe, sondern darum, gezielte Gewaltakte gegen Einsatzkräfte und Sachbeschädigungen zu verhindern.

Für die Weggewiesenen könnte der Abend auch in Zukunft Konsequenzen haben. Erfolgen wieder Aufrufe zur Gewalt, ist ihnen der Zutritt zum in der Wegweisung definierten Perimeter untersagt, dies auch, wenn sie in St. Gallen zur Arbeit oder zur Schule wollen. Arbeit, Schulbesuche und ähnliches seien aber möglich, wenn für den betreffenden Zeitraum keine Gewaltaufrufe vorlägen, schreibt die Stadtpolizei. Die rechtlichen Grundlagen für dieses Vorgehen seien gegeben: «Die Polizei kann vorübergehend Personen von einem Ort wegweisen oder fernhalten, wenn der begründete Verdacht besteht, dass sie oder die Ansammlung, der sie zuzurechnen sind, die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden oder stören», heisst es in der Mitteilung.