Konjunktur
Weniger Arbeitslose im Mai – Bund forciert Kampf gegen Kurzarbeits-Missbrauch

Die Arbeitslosenquote in der Schweiz ist im Mai leicht auf 3,1 Prozent gesunken. Wie der Bund am Montag weiter meldet, verdreifacht er die Kapazitäten im Kampf gegen den Missbrauch von Kurzarbeitsgeldern.

Peter Walthard
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Die Zahl der bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos gemeldeten Personen ist gesunken. (Symbolbild)

Die Zahl der bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos gemeldeten Personen ist gesunken. (Symbolbild)

Keystone

Die Erholung des Arbeitsmarktes hat früher eingesetzt als bislang erwartet. Das sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Montag an einer Telefonkonferenz. So ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen innert Monatsfrist stark gestiegen und liegt nun bei über 55'000 Stellen. Auch wenn diese Zahl wegen eines Systemwechsels nicht direkt mit jener der Vormonate verglichen werden könne, sei dies zusammen mit der im Mai um 9,6 Prozent gesunkenen Jugendarbeitslosigkeit ein typisches Anzeichen für einen Aufschwung.

Die am Montag publizierten Arbeitsmarktdaten des Seco zeigen: Ende Mai gab es in der Schweiz noch 142'699 Arbeitslose. Das sind 8313 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote ist damit innert Monatsfrist von 3,3 auf 3,1 Prozent gesunken. Bei den Über-50-Jährigen ist die Zahl der Arbeitslosen derweil um 3,2 Prozent gesunken. Aktuelle Zahlen zur Kurzarbeit gibt es noch nicht. Die Abrechnungen der ersten drei Monate des laufenden Jahres zeigten aber auch hier eine rückläufige Tendenz, sagte Boris Zürcher. Im März befanden sich laut Seco noch 340'953 Personen in Kurzarbeit. Das sind 17,5 Prozent weniger als im Vormonat.

Bereits 900 Missbrauchsmeldungen bei Kurzarbeit

Wie das Seco weiter mitteilte, hat der Bund seine Kapazitäten im Bereich Missbrauchsbekämpfung beim Bezug von Kurzarbeitsentschädigungen massiv ausgebaut. Nach intensiver Schulung stünden die geplanten zusätzlichen externen Revisoren seit Anfang Monat zur Verfügung. Damit könnten ab sofort die Arbeitgeberkontrollen in der Schweiz verdreifacht werden. Die Arbeitslosenversicherung (ALV) hatte für das zusätzliche Personal bereits im vergangenen August 25 Millionen Franken gesprochen. Die zusätzlichen Prüf-Leistungen kauft der Bund bei den Wirtschaftsprüfern Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers ein.

Bis Ende Mai sind beim Seco laut Angaben vom Montag rund 900 Missbrauchsmeldungen eingegangen, die vordringlich behandelt werden. Diese Meldungen seien über die Whistleblowing-Plattform der Eidgenössischen Finanzkontrolle sowie über das Webportal der ALV an das Seco gelangt oder direkt an den Revisionsdienst der ALV gesendet worden. Dazu kämen weitere 500 auffällige Abrechnungen, die bislang von den Arbeitslosenkassen an das Seco gemeldet wurden.

Bislang sind 131 Arbeitgeber kontrolliert worden

Laut dem Bund sind bisher 131 Arbeitgeberkontrollen durchgeführt werden. Dabei ist in 13 Fällen ein Missbrauch nachgewiesen und Strafanzeige gestellt worden. In 97 Fällen hätten Arbeitgeber fehlerhafte Kurzarbeits-Abrechnungen korrigiert. Das SECO geht in seiner Mitteilung davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte mit externer Unterstützung weitere 200 Kontrollen durchgeführt werden können. 2022 ist dann eine weitere Intensivierung auf 700 Kontrollen geplant.

Die Kontrollen würden vor Ort in den Betrieben durchgeführt, sagte Boris Zürcher am Montag in dem Mediengespräch. Während der Pandemie sei darauf teilweise verzichtet worden, da viele Betriebe Home Office angeordnet hätten. Wenn niemand im Betrieb sei, habe es auch keinen Sinn, dort kontrollieren zu gehen, so der Seco-Vertreter.