Keine Angst vor indischer Variante
BAG-Masserey: «Wir freuen uns, dass Öffnungen bisher keine negativen Konsequenzen hatten»

Die Experten des Bundesamtes für Gesundheit bewerten die aktuelle Lage in der Schweiz deutlich besser als auch schon. Dennoch wollen sie nun eine Mutation des Coronavirus besonders im Auge behalten.

Samuel Thomi
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Seit Montagmittag steht Indien auf der Quarantäneliste der Schweiz. Dies, nachdem am Wochenende ein erster Fall der Indischen Coronavariante hierzulande festgestellt worden ist. Es handelt sich dabei um eine Person, die über einen Drittstaat in den Kanton Solothurn eingereist war. Am Dienstag nun äusserte sich Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu weiteren Vorsichtsmassnahmen zur Mutation, die in Indien derzeit für eine Explosion der Coronainfektionen sorgt. «Das Risiko der Verbreitung ist sehr schwierig einzuschätzen», sagte Masserey. Die brasilianische Variante etwa habe sich in der Schweiz auch kaum ausgebreitet. «Für den Moment hoffen wir darum, dass die Fallzahlen tief bleiben», sagte die Leiterin Infektionskontrolle im BAG.

Zur aktuellen Situation in der Schweiz sagte Virginie Masserey, diese stabilisiere sich. Dies spreche auch für kontrollierte Öffnungsschritte, wie sie der Bundesrat bereits beschlossen respektive mit seinem 3-Phasen-Modell in Aussicht gestellt hat. «Wir freuen uns, dass die Öffnungsschritte bisher keine negativen Konsequenzen hatten», sagte Masserey. Nach den Ursachen für die Stagnation der Coronapandemie in der Schweiz gefragt, verwies Masserey auf verschiedene Faktoren. Einerseits seien derzeit wieder mehr Menschen draussen. Zudem werde mehr getestet und die Ausbreitung des Virus könne dadurch besser verfolgt werden. Dennoch gelte es, weiterhin aufmerksam zu bleiben.

Zwei Covid-Zertifikate sollen bis Mitte Mai vorliegen

Zur sogenannten «Schweizer Variante» des Coronavirus sagte Masserey, diese sei bereits seit April letzten Jahres bekannt. Sie sei jedoch weniger ansteckend als die britische, welche derzeit hierzulande dominiert. Darum, und weil die Mutation B.1.1.39 selten sei, müsse nichts besonderes dagegen unternommen werden. Über die sogenannte «Schweizer Variante» hatten am Wochenende erstmals italienische Forscher berichtet. Zudem sagte Virginie Masserey, mittlerweile seien bereits 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung vollständig geimpft. Rund zwei Drittel der vulnerablen Personen hätten mindestens bereits eine Impfdosis erhalten.

Und zum angekündigten Covid-Zertifikat sagte die BAG-Vertreterin, bis Mitte Mai würden nun zwei Varianten ausgearbeitet. Dies mit dem Ziel, dass das Zertifikat für Geimpfte, Genesene sowie Getestete (GGG) auf jeden Fall rechtzeitig bereitstehen werde. Dann werde entschieden, ob die nun ausgearbeitete Entwicklung vom Bund oder jene eines privaten Anbieters den Zuschlag erhalte. Es sei zudem sicherzustellen, dass das GGG-Zertifikat auch international kompatibel ist. Dazu arbeitet das BAG laut Masserey auch mit der EU und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Das Schweizer Covid-Zertifikat soll im Frühsommer – «vielleicht schon im Juni» – dann effektiv einsatzbereit sein.