Katastrophenschutz
Nach Unwettersommer: Bund prüft neues Alarmierungssystem für Smartphones

Bei Naturkatastrophen könnte in Zukunft ein neues Alarmierungssystem zum Zug kommen. Verteidigungsministerin Viola Amherd prüft das System, das voll auf das Smartphone setzt.

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Alarmierung per Handy: Das neue System macht dies einfacher möglich. (Symbolbild)

Alarmierung per Handy: Das neue System macht dies einfacher möglich. (Symbolbild)

Keystone

Diesen Sommer wurde Europa von Unwettern heimgesucht. Während bei der Hochwasserkatastrophe im Juli in Deutschland mehr als 180 Menschen in den Fluten ihr Leben verloren, kam die Schweiz glimpflich davon. Trotzdem überdenkt Verteidigungsministerin Viola Amherd nun das heutige Alarmierungssystem.

An der Bevölkerungsschutzkonferenz vom Mittwoch plädierte die Bundesrätin für die Einführung eines weiteren Alarmierungssystems. «Auch in der Schweiz müssen wir die Zweckmässigkeit von Cell Broadcast prüfen», sagte Amherd in einer Videobotschaft. Darüber hatte am Freitag zuerst Radio SRF berichtet.

«Cell Broadcast» funktioniert ähnlich wie Radioübertragungen, nur mit Text statt Ton. Eine Nachricht werde von einem Mobilfunkmast aus an alle Mobiltelefone gesendet, die sich in dessen Zelle befinden und die für den Empfang konfiguriert seien, schreiben Forscher auf dem Blog des «Center for Security Studies» (CSS) der ETH Zürich. Der Vorteil gegenüber einer SMS besteht darin, dass dafür nur genügend Bandbreite für eine einzige Nachricht benötigt wird, die vom Mobilfunkmast gleichzeitig an alle erreichbaren Mobiltelefone gesendet wird. Das ermöglicht es, Nachrichten innerhalb von Sekunden an Millionen Empfänger zu übertragen.

Revidiert der Bund sein Urteil?

Noch 2017 hatte sich der Bund gegen «Cell Broadcast» ausgesprochen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz kam zum Schluss, dass das System aufgrund technischer, sozialer und rechtlicher Hürden nicht eingeführt werden sollte. Offenbar hat der letzte Unwettersommer ein Umdenken bewirkt. Für die Einführung dürfte eine gesetzliche Grundlage notwendig sein.

Im Ernstfall setzt die Schweiz heute zur rechtzeitigen öffentlichen Warnung vor Extremereignissen auf einen Mix aus Sirenen, Radio, Fernsehen und der App «Alertswiss». Da beinahe alle SchweizerInnen Mobiltelefone besitzen, könnte dieser Mix um «Cell Broadcast» ergänzt werden. (rwa)

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