Kampagne
«Switzerland first»: Bevölkerung soll auch nach der Pandemie nicht im Ausland einkaufen

Der Schweizer Detailhandel hat in der Coronakrise vom Einbruch des Einkaufstourismus profitiert. Nun will die Branche die Kunden auch nach der Pandemie an sich binden.

Peter Walthard und André Bissegger
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Der Detailhandel profitierte vom Einbruch des Einkaufstourismus. Nun hofft die Branche, dass ihr die Konsumenten die Treue halten. (Symbolbild)

Der Detailhandel profitierte vom Einbruch des Einkaufstourismus. Nun hofft die Branche, dass ihr die Konsumenten die Treue halten. (Symbolbild)

Keystone

Unter dem Motto «Shopp Schwiiz! Hier lebe ich, hier kaufe ich!» will der Detailhandel die Bevölkerung für das Einkaufen im Inland gewinnen. Am Dienstag präsentierten der Schweizerische Gewerbeverband (SGV), die Swiss Retail Federation und Agro-Marketing Suisse (AMS) eine entsprechende Kampagne, die digital und analog ausgespielt wird. Hintergrund sind die Erfahrungen der Coronakrise: Weil der Einkaufstourismus im Pandemiejahr erlahmte, profitierte der Detailhandel im Inland.

Zwischen neun und elf Milliarden Franken würden diesem in normalen Jahren durch den Einkaufstourismus entgegen, sagte SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler am Dienstag vor den Medien. Wenn nun ein Teil dieses Geldes auch in Zukunft in der Schweiz bleibe, helfe dies den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die sich mit Innovationskraft und Durchhaltevermögen aus der Krise herausgearbeitet hätten.

Bevölkerung sensibilisieren und motivieren

«Wir wollen daher mit unserer Kampagne die Schweizer Bevölkerung sensibilisieren und motivieren, ihre Einkäufe weiterhin in der Schweiz zu tätigen», sagte Bigler und sprach von Solidarität: Wer statt im Ausland im Inland einkaufe, tue Gutes. «Er sichert Umsätze und Arbeitsplätze und macht es so möglich, dass Schulabgänger eine Lehrstelle finden und in den Arbeitsmarkt eintreten können.» Zudem sei es umweltfreundlicher, da nicht Hunderte Kilometer im Auto abgespult werden müssten, um ennet der Grenze einkaufen zu können.

Dagmar Jenni von der Swiss Retail Federation verwies derweil auf die existenzielle Bedeutung eines funktionierenden Detailhandels mit Nahversorgung. Allerdings werde das engmaschige Versorgungsnetz, das gerade während der Coronapandemie so geschätzt wurde, zunehmend ausgedünnt. «Deshalb ist es wichtig, dass wir unserem Detailhandel nicht nur in schlechten, sondern auch in guten Zeiten die Treue halten», sagte sie und betonte, dass der Detailhandel als grösster Arbeitgeber der Schweiz massgeblich zum Wohlstand der Schweiz beitrage.

Für AMS-Präsident Urs Schneider sprechen vor allem auch Qualität, Frische und Umweltaspekte für den Einkauf in der Schweiz – etwas, das die Konsumenten während der Coronapandemie geschätzt haben. So hätten beispielsweise die Hofläden einen grossen Ansturm verzeichnet. «Zwar ging dieser nach den Öffnungen etwas zurück, blieb aber auf hohem Niveau», sagte Schneider. Er hoffe nun, dass der Trend nachhaltig sei – auch für den übrigen Detailhandel. «Mit dem Einkauf im Inland tut sich der Konsument selbst etwas Gutes und schont erst noch die Binnenwirtschaft.»