Postmarkt wächst weiter
Postkommission warnt vor steigendem Druck auf die Grundversorgung

Der Schweizer Postmarkt ist 2020 um drei Prozent gewachsen. Dies laut Postkommission wegen der Pandemie und dem Päckli-Boom. Der Druck auf die Grundversorgung nimmt laut Aufsicht indes weiter zu.

Dario Pollice
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Pöstlerinnen und Pöstler hatten letztes Jahr – wie die private Konkurrenz – wegen des Paket-Booms alle Hände voll zu tun. (Symbolbild)

Pöstlerinnen und Pöstler hatten letztes Jahr – wie die private Konkurrenz – wegen des Paket-Booms alle Hände voll zu tun. (Symbolbild)

Keystone

Der Postmarkt in der Schweiz hat im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 4,2 Milliarden Franken erzielt. Dies entspricht einem markanten Wachstum um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine solche Zunahme ist seit mehreren Jahren nicht mehr gemeldet worden, schreibt die Eidgenössische Postkommission (PostCom) in ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht.

Angetrieben wurde das Wachstum insbesondere durch die Coronapandemie und den Päckli-Boom. Das zeigt ein Blick auf den Grundversorgungsmarkt. Dieser umfasst die Zustellung von Briefen bis 1 Kilogramm, Paketen bis 20 Kilogramm sowie von abonnierten Zeitungen und Zeitschriften. Hier nahm der Paketmarktumsatz laut Jahresbericht um 32,8 Prozent auf neu 1,48 Milliarden Franken zu.

Gewerkschaft kritisiert tiefe Löhne

Dieses markante Wachstum im Paketmarkt sorgt aber auch für Kritik, nämlich vonseiten der Gewerkschaft. «Die hohen Paketvolumen haben die Arbeitnehmenden übermässig belastet», schreibt Syndicom am Dienstag in einer Mitteilung. «Und die Löhne der Angestellten sind tief», lässt sich Zentralsekretär David Roth zitieren.

Insbesondere bei privaten Postdienstleistern und deren Subunternehmen – aber auch bei den Subunternehmen der Schweizerischen Post – seien die Angestellten schlecht geschützt. «Das muss sich ändern», sagt David Roth von Syndicom. Die Gewerkschaft erwartet darum, dass die PostCom bei ihrer nächsten Überprüfung die Arbeitsbedingungen verbessert und der aktuelle Mindestlohn von 18,27 Franken angehoben wird.

Neuer Tiefststand des Briefmarkts

Während der Paketmarkt boomt, ging der Umsatz bei den Briefen in der Grundversorgung um deutliche 13,8 Prozent weiter zurück. Damit hat sich der Abwärtstrend im Briefmarkt weiter verstärkt, heisst es im Bericht der PostCom. Mit 37 Prozent erreichte der Anteil des Briefmarkts am Gesamtumsatz demnach einen neuen Tiefststand. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren machte er noch mehr als die Hälfte des Umsatzes aus.

Die geringeren Mengen bei den Briefen und Zeitungen wirkten sich auch auf das Gesamtvolumen aus. Mit 3,1 Milliarden Sendungen fiel es um 4,5 Prozent tiefer aus als 2019.

Weiter hält die PostCom fest, dass die Schweizerische Post die Erreichbarkeit ihrer Poststellen und Agenturen im vergangenen Jahr gewährleistet hat. Laut Postverordnung muss der gelbe Riese sicherstellen, dass innerhalb von 20 Minuten 90 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung eines Kantons zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Poststelle oder -agentur erreichen kann. Diese Anforderung erfüllte die Post in sämtlichen Kantonen, heisst es.

Druck auf Grundversorgung nimmt zu

Ende 2020 bestand in der Schweiz ein Netz von 902 Poststellen (-79 Stellen) und 1185 Postagenturen (+49 Agenturen). Wie bereits in den Vorjahren ging die Anzahl der Poststellen stärker zurück, als die Anzahl der Agenturen zunahm.

Derweil stehen der Schweizerischen Post grosse Herausforderungen bevor. Die vom Bundesrat geplante Privatisierung der Postfinance und deren Abspaltung aus dem Postkonzern würde zu Ertragsausfällen führen. Zudem ist gemäss dem Bericht mit weiteren Rückgängen der Erlöse aus dem Briefmonopol zu rechnen. All diese Faktoren erhöhen den Druck auf die Grundversorgung und deren Finanzierung, hält die PostCom fest.

Wie sich die Post künftig ausrichten soll, wird derzeit von einer Expertenkommission des Bundes geklärt. Bis Ende 2021 soll die Gruppe unter Leitung der Aargauer Alt Ständerätin Christine Egerszegi (FDP) konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Grundversorgung erarbeiten.