Intensive Landwirtschaft
Ausgleichsflächen reichen nicht: In tiefen Lagen ist Artenvielfalt kleiner als erwartet

Erstmals hat der Bund untersucht, wie viele Arten in landwirtschaftlich genutzten Flächen vorkommen. Dabei zeigt sich, dass die Vielfalt in tiefen Lagen trotz Ausgleichsmassnahmen geringer ist als erwartet.

Samuel Thomi
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Mit Kontrollflächen wird untersucht, wie Ausgleichsflächen die negativen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft ausgleichen helfen.

Mit Kontrollflächen wird untersucht, wie Ausgleichsflächen die negativen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft ausgleichen helfen.

Agroscope

Zwar sind viele Pflanzen- und Tierarten auf landwirtschaftlich geprägte Lebensräume angewiesen. Die bestehenden Ausgleichsflächen sind jedoch zu klein, als dass sie die negativen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft in der Schweiz kompensieren könnten. Zu diesem Schluss kommt das erste Biodiversitätsmonitoring von Agroscope. Das landwirtschaftliche Forschungszentrum des Bundes hat in den letzten fünf Jahren erstmals erfasst, wie viele Pflanzen, Vögel und Falter in der Agrarlandschaft vorkommen.

Konkret zeigen erste, am Montag publizierte Resultate, dass die Arten- und Lebensraumvielfalt in tieferen Lagen deutlich niedriger sind als in höheren Lagen. Wie Agroscope in seiner Mitteilung schreibt, wäre aufgrund der naturräumlichen Begebenheiten das Gegenteil zu erwarten. In Tal- und Hügelzonen müssten demnach mehr Arten vorkommen als in Bergzonen, wo die Bedingungen für viele Lebewesen zu unwirtlich sind. Zahlreiche Studien zeigen laut Agroscope denn auch, dass die intensive menschliche Nutzung im Tiefland die Ursache für diese Situation ist.

«Nicht genug qualitativ hochwertige Ausgleichsflächen»

Alle Landwirtinnen und Landwirte, die Direktzahlungen beziehen, bewirtschaften einen Teil ihres Landes als Biodiversitätsförderflächen. Damit soll ein weiterer Rückgang der Biodiversität verhindert werden. Entsprechend untersuchten die Forschenden von Agroscope die Unterschiede in der Arten- und Lebensraumvielfalt zwischen diesen Förderflächen und Kontrollflächen ohne Fördermassnahmen. Dabei stellten sie laut Mitteilung generell eine höhere Vielfalt auf den Biodiversitätsförderflächen fest. Doch variiert der Unterschied laut Agroscope je nach Höhenlage.

In tieferen Lagen ist die Biodiversität auf Förderflächen demnach «deutlich höher als auf den Kontrollflächen», was zeige, «wie wichtig die Massnahmen sind». Jedoch gebe es «nicht genug qualitativ hochwertige Flächen, um grossflächig die Arten- und Lebensraumvielfalt zu fördern», schreibt Agroscope. Im Berggebiet sei der Unterschied zwischen Biodiversitätsförderflächen und Kontrollflächen denn auch geringer und der allgemeine Zustand der Biodiversität besser. In den unteren Bergzonen hingegen unterscheiden sich einige Werte laut Agroscope kaum von denjenigen in tieferen Lagen.

Einige Erkenntnisse aus dem Biodiversitätsmonitoring flossen bereits als Massnahmen zur Verbesserung von Biodiversitätsförderflächen in die Weiterentwicklung der Agrarpolitik ein. Ziel ist es laut Agroscope, die Anforderungen für Biodiversitätsförderflächen zu verbessern. Das Monitoring «Arten und Lebensräume Landwirtschaft» (ALL-EMA) entstand im Auftrag der Bundesämter für Landwirtschaft (BLW) und Umwelt (BAFU) mit dem Ziel, die Arten- und Lebensraumvielfalt in der schweizerischen Agrarlandschaft zu fördern. Derzeit läuft die zweite Fünfjahreserhebung.