coronaimpfung
Luzern und Bern helfen kleinen Kantonen mit Impfdosen für Zweitimpfung aus

Wegen der Lieferengpässe haben sich die Kantone auf eine Lösung geeinigt: Sie soll sicherstellen, das alle Erstgeimpften die vorgesehene zweite Dosis erhalten. Luzern und Bern treten Dosen ab.

Peter Walthard
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Impfzentrum in Basel-Stadt: Der Kanton hat bisher am zweitschnellsten vorwärts gemacht beim Impfen.

Impfzentrum in Basel-Stadt: Der Kanton hat bisher am zweitschnellsten vorwärts gemacht beim Impfen.

Keystone

(wap) Weil der Nachschub an Impfungen von Pfizer/Biontech ins Stocken geraten ist, bestand in einigen Kantonen die Gefahr, dass die vorgesehene Zweitimpfung nicht wie vorgesehen innerhalb von drei bis sechs Wochen hätte verabreicht werden können. Die Kantone hätten deshalb vereinbart, sich mit den benötigten Impfdosen auszuhelfen, gab die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) am Dienstag bekannt.

Damit erhalten die unterversorgten Kantone Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Solothurn, Tessin und Zug Dosen von den beiden Geberkantonen Bern und Luzern. Diesen sollen die Dosen zu einem späteren Zeitpunkt gutgeschrieben werden. Eine «dynamische Impfverteilung», bei der die Zuteilung von Impfdosen von der Impfgeschwindigkeit abhängig gemacht würde, stehe nicht zur Debatte, schreibt die GDK unter Berufung auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Den Kantonen werde vom Bund aber «nahegelegt», in Zukunft die zweite Impfdosis auf Reserve zu legen.

Das BAG veröffentlichte ebenfalls am Dienstag die aktuellen Zahlen zum Stand der Coronaimpfung in der Schweiz. Demnach sind bis Dienstag 550'385 Impfdosen in die Schweiz geliefert worden. Stand Sonntag wurden 517'625 Dosen ausgeliefert und 315'033 davon bereits verimpft. In der Schweiz wurden damit auf 100 Personen durchschnittlich 3,64 Impfdosen verabreicht.

Nidwalden preschte vor, Bern machte langsam

Am schnellsten vorwärts gemacht hat der Kanton Nidwalden, der pro 100 Einwohner schon 7,47 Dosen verimpft hat, gefolgt von Basel-Stadt mit 7,02 Dosen pro 100 Einwohner. Es folgen Schaffhausen, die beiden Appenzell und Nidwalden, mit über 6 Impfdosen pro 100 Einwohner. Mit Ausnahme von Appenzell Innerrhoden und Basel-Stadt müssen diese Kantone nun jedoch auf die Hilfe der Berner und Luzerner zurückgreifen, um die zweite Impfdosis sicherzustellen.

Am langsamsten geimpft hat der Kanton Bern, wo pro 100 Einwohner erst 2,35 Dosen verbraucht wurden. Ebenfalls einer vorsichtigen Impfstrategie verschrieben haben sich die Kantone Freiburg, Neuenburg und Zürich. Eigentlich hatten die Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) vorgesehen, dass die Kantone jeweils die Hälfte der erhaltenen Impfdosen für die Zweitimpfung reservierten. Dies wurde jedoch nicht von allen Kantonen umgesetzt.

Stadtkantone Basel-Stadt und Genf in Bedrängnis

Noch vor zwei Wochen waren sparsame Kantone heftig kritisiert worden. So hatte Gesundheitsminister Alain Berset in der «NZZ am Sonntag» darüber spekuliert, langsamen Kantonen als Strafe die Kontingente zu kürzen. Auch der Basler Gesundheitsdirektor und Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, Lukas Engelberger, drückte da noch aufs Tempo: «Wir setzen zur Vermeidung von zusätzlichen Covid-19-Opfern auf maximale Impfgeschwindigkeit.», liess er gegenüber CH Media verlauten. Der Kanton Basel-Stadt verzichtete deshalb darauf, Dosen für die zweite Impfung auf Reserve zu lagern.

Auch dem Kanton Genf, der ebenfalls eine offensive Impfstrategie verfolgte, machen die Lieferschwierigkeiten einen Strich durch die Rechnung: Er musste letzte Woche drei von sechs Impfzentren vorübergehend schliessen. Nun verlangen die Genfer nach Impfdosen anderer Kantone: «Es wäre absurd, wenn einige Kantone, die noch keine Pfizer-Impfungen durchgeführt haben, sie machten, während wir hier in Genf nicht die nötigen Mittel haben, um eine weitere Impfung anzubieten», sagte der Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia dazu in der SRF-Sendung «10 vor 10».