Globale Mindeststeuer
Mit tiefen Steuern die Manager in die Schweiz locken

Die globale Mindeststeuer soll in der Schweiz ab 2024 gelten. Finanzminister Ueli Maurer erklärt, wie die Schweiz die Grosskonzerne weiter ins Land locken kann – etwa mit tieferen Steuern für Gutverdienende.

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Menschen statt Firmen: Finanzminister Maurer kann sich vorstellen, dass einige Kantone die Steuerprogression abflachen, um Gutverdienende anzulocken.

Menschen statt Firmen: Finanzminister Maurer kann sich vorstellen, dass einige Kantone die Steuerprogression abflachen, um Gutverdienende anzulocken.

Keystone

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) will eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent. Multinationale Konzerne sollen dort besteuert werden, wo sie ihren Umsatz machen. Am vergangenen Mittwoch hat der Bundesrat beschlossen, dass er die Mindeststeuer mit einer Verfassungsänderung umsetzen will. Eine temporäre Verordnung soll sicherstellen, dass sie auf den 1. Januar 2024 in Kraft treten kann. Der Bundesrat erklärte auch, dass er einem möglichen Verlust der Standortattraktivität entgegenwirken möchte.

Am Sonntag sprach Bundesrat Ueli Maurer in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» über mögliche Ideen und Einschränkungen. Da die Schweiz den Wettbewerbsvorteil der tiefen Steuern verliere, müsse sie die Reform intelligent umsetzen und den Attraktivitätsverlust anderweitig wettmachen. «Das heisst: Noch besser werden in der Forschung, gute Arbeitsbedingungen schaffen, die Schuldenlast reduzieren und Rechts- und Planungssicherheit anbieten.»

Subventionen statt Steuervorteile

Verschiedene Länder versuchen nun, die Firmen mit Subventionen zu ködern. «Gewisse Länder etwa vergeben Bauland für Fabrikanten gratis oder zum Symbolpreis von 1 Euro, das geht bei uns nicht», sagt er. Die Schweiz könne zwar nicht bei allem mitmachen, aber auch sie könne die Firmen unterstützen – etwa im Forschungsbereich. «Wir müssen nun schauen, was möglich und sinnvoll ist.»

Diskutiert werde etwa eine Erhöhung der Kontingente für Arbeitskräfte von ausserhalb der EU. Damit sollen die Firmen genügend Fachkräfte rekrutieren können. Aber auch die Steuern für natürliche Personen könnten zum Thema werden, damit die Schweiz zumindest für die Manager und Angestellten der Firmen attraktiver wird. «Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass einige Kantone die Steuerprogression etwas abflachen, um für gutverdienende Arbeitnehmer attraktiv zu werden», sagte Maurer. «Auf Stufe Bund ist das aber kein Thema.»

Er glaubt, dass vor allem «Nachhaltigkeit und technologisches Know-how» die Schweizer Trümpfe in diesem neuen Standortwettbewerb sind. (abi)

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