Gesundheit
Depakine-Skandal: Bundesrat lehnt nationalen Entschädigungsfonds ab

Der Bundesrat möchte Opfer im Depakine-Skandal nicht finanziell entschädigen. Das Epilepsie-Medikament konnte zu schweren Hirnschäden bei Ungeborenen führen, wenn es in der Schwangerschaft eingenommen wurde.

Reto Wattenhofer
Drucken
Teilen
Dutzende Frauen brachten wegen eines Medikaments geistig geschädigte Babys zur Welt. Ihre Ärzte informierten sie ungenügend über die Gefahren (Symbolbild).

Dutzende Frauen brachten wegen eines Medikaments geistig geschädigte Babys zur Welt. Ihre Ärzte informierten sie ungenügend über die Gefahren (Symbolbild).

CH Media

In der Schweiz sind jahrelang Babys mit schweren Hirnschäden zur Welt gekommen, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft ein Medikament einnahmen. Unter dem Namen Depakine wurde in der Schweiz im Jahre 1972 das erste Präparat mit dem Wirkstoff Valproat zugelassen. Eingesetzt wird es vor allem zur Behandlung von Epilepsie. Mittlerweile sind zahlreiche weitere Arzneimittel mit Valproat zugelassen.

Anfang Jahr war bekannt geworden, dass sich betroffene Eltern beschwert hatten, sie seien von ihren Ärzten nicht über die Risiken des Medikaments aufgeklärt worden. Christoph Küng, Leiter der Arzneimittelsicherheit bei Swissmedic, erklärte daraufhin gegenüber Radio SRF, das Institut habe seit 2006 Warnungen herausgegeben. Diese seien von einzelnen Ärztinnen und Ärzten jedoch nicht weitergegeben worden – obwohl das deren Pflicht gewesen wäre.

Bundesrat hat Verständnis

Der Bundesrat begrüsst die Bemühungen, von den Verantwortlichen eine finanzielle Entschädigung zu erhalten. An einem Fonds für Opfer möchte er sich jedoch nicht beteiligen, wie er in einer Stellungnahme auf eine Motion der Waadtländer SP-Nationalrätin Brigitte Crottaz deutlich macht. Gemäss Angaben des Bundesrates gibt es schweizweit bislang 55 bis 60 Verdachtsfälle.

Der Bundesrat sei sich der schwierigen Situation der Betroffenen bewusst und anerkenne auch ihr Leid. Für eine finanzielle Beteiligung müsste er erst eine gesetzliche Grundlage schaffen. Das lehnt der Bundesrat aber ab, weil dafür eine Verantwortung einer staatlichen Instanz gegeben sein müsste.

Crottaz führte die jüngsten Entwicklungen in Frankreich ins Feld. Dort wurde nach Bekanntwerden der Fälle ein nationales Diagnostik- und Pflegeprotokoll geschaffen, um den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Valproat durch die Mutter und Entwicklungsstörungen bei Kindern festzustellen. Weil die Klagen gegen den Hersteller bislang erfolglos blieben, wurde ein nationaler Entschädigungsfonds geschaffen, um den Eltern zu helfen, die behinderungsbedingten Kosten zu bestreiten.

Aktuelle Nachrichten