Expertenrunde
BAG-Mathys: Die Pandemie hat «wieder an Fahrt aufgenommen»

Bereits in dieser Woche könnten wieder vierstellige Neuansteckungszahlen gemeldet werden. Einmal mehr riefen die Experten des Bundes zum Impfen auf.

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Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit am Dienstag vor den Medien.

Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit am Dienstag vor den Medien.

Keystone

In dieser Woche wird allenfalls die 1000er-Grenze bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder geknackt. Das sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit, Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Medien. Der Trend bei den Neuansteckungen gehe deutlich nach oben, so Mathys. Die Dynamik bei den Infektionen habe «wieder an Fahrt aufgenommen».

Die guten Nachrichten: Die Hospitalisationen bewegen sich auf sehr tiefem Niveau. Auch die Zahl der Todesfälle bleibt tief. Derzeit gäbe es leichte Anzeichen, dass die Anzahl der Spitaleinweisungen wieder ansteigen könnten, allerdings sei dies noch schwierig genau abzuschätzen.

Die Delta-Variante des Virus sei mittlerweile dominant in der Schweiz. Gleichzeitig beobachte das BAG ein gewisses Nachlassen bei der Impfbereitschaft. Dies hänge aber auch mit dem Ferienstart zusammen, so Mathys. Er gehe weiterhin davon aus, dass der Peak noch nicht erreicht sei. Auch Samia Hurst, Vizepräsidentin der Task-Force, rief erneut zum Impfen auf. Sollte der Anteil an Ungeimpften bei einer künftigen Welle zu gross sein, drohe eine Überlastung des Gesundheitssystems und viele Todesfälle.

«Impfen immer noch im grossen Stil»

Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo spürt mit Umfragen der Impfwilligkeit, beziehungsweise deren Unwilligkeit nach. Der Meinungsforscher hat festgestellt, dass die Impfskepsis seit Beginn der Pandemie leicht zurückgegangen ist. Uneinig sind sich die Impffreunde und Impfgegner in der Beurteilung des Virus: Impfwillige halten das Virus für gefährlicher als die Verweigerer. Ebenfalls konsumieren die Skeptiker kaum klassische Medien, sondern verlassen sich auf andere Informationsquellen – etwa solche aus dem Freundeskreis. Daher sei es für amtliche Stellen schwierig, diese Menschen direkt zu erreichen.

Von einer stockenden Impfkampage will Mathys aber nicht sprechen. Noch immer werde «im grossen Stil» geimpft. Mehrere Kantone hätten niederschwellige Angebote geschaffen, um so auch Personen zu erreichen, die auf der Kippe stehen. Es sei «jetzt» der Zeitpunkt, um sich zu impfen, sagte Hurst. Mit einer höheren Impfquote komme die Schweiz rascher aus der Krise. Ansonsten seien allenfalls gar neuerliche Massnahmen nötig.

Welche dies sein könnten, wollten die Experten des Bundes nicht sagen. Das sei auch Sache der Politik. Denkbar sei natürlich auch ein erweiterter Einsatz des Covid-Zertifikat. Derzeit wird unter anderem auch eine Zertifikat-Pflicht am Arbeitsplatz diskutiert. Ob es Sinn mache, mehr Druck auf Ungeimpfte auszuüben, wollte Hurst nicht beantworten. Der Vorteil einer Impfung überwiege auch ohne drohende Einschränkungen. (mg)