Energiestudie
Ziel Netto-Null: Bis 2050 müssten erneuerbare Energien verdoppelt werden

Mit dem Netto-Null Ziel wird der Strombedarf um 30 bis 50 Prozent steigen. Um diese Nachfrage zu decken, müssten die erneuerbare Energien fast verdoppelt werden, wie eine neue Studie zeigt.

Dario Pollice
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Geothermie-Projekt in Lavey-les-Bains (VD). Geothermie könnte laut der Studie einen «grossen Anteil» des Wärmebedarfs abdecken.

Geothermie-Projekt in Lavey-les-Bains (VD). Geothermie könnte laut der Studie einen «grossen Anteil» des Wärmebedarfs abdecken.

Keystone

Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 keine Treibhausgasemissionen mehr auszustossen. 25 Schweizer Wissenschaftseinrichtungen, Industrieunternehmen sowie Bundesbehörden haben nun berechnet, wie sich das Stromangebot und die Nachfrage bis dahin zusammensetzen wird.

Die Studie im Rahmen des Kompetenzzentrums für Energieforschung – Strombereitstellung zeigt, dass die Stromnachfrage bis 2050 um 30 bis 50 Prozent steigen wird. Dies sei vor allem auf die Elektrifizierung in den zwei Bereichen Transport und Heizen zurückzuführen, heisst es in der Studie, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Sonnenenergie hat grösstes Ausbaupotenzial

Um die steigende Stromnachfrage zu kompensieren, müsste gemäss dem Kompetenzzentrum das Angebot der erneuerbaren Energien bis 2050 fast verdoppelt werden. Das grösste Ausbaupotenzial birgt demnach die Photovoltaik. Doch die Schwächen der Energieform - weniger Strom im Winter, Energieüberschuss zur Mittagszeit im Sommer - müssten mit weiteren Massnahmen ausgeglichen werden.

So sei es etwa denkbar, in den Berggebieten vermehrt Photovoltaikanlagen zu bauen, weil dort die Stromproduktion ganzjährig möglich ist. Zudem liesse sich die überschüssige Energie in Batterien zwischenspeichern, für Pumpspeicherwerke nutzen oder in Wärme oder Wasserstoff umwandeln, heisst es in der Studie.

Ausbau der Wasserkraft ist unrealistisch

Die Wasserkraft werde auch in Zukunft die wichtigste einheimische Energiequelle in der Schweiz bleiben. Ein bedeutender Ausbau sei aufgrund von hohen Anforderungen an den Umweltschutz aber unrealistisch. Deshalb sollte in diesem Bereich vielmehr die Effizienz bestehender Anlagen optimiert werden.

Auch der Geothermie könnte eine bedeutende Rolle zukommen, um einen «grossen Anteil» des Wärmebedarfs für Heizzwecke und Warmwasser abzudecken, heisst es. Einerseits könnte Wasser im Untergrund erhitzt und dann gefördert werden. Anderseits könnte der Untergrund als Speicher für an der Oberfläche erwärmtes Wasser genutzt werden, schreibt das Kompetenzzentrum. Hier bräuchte es jedoch zusätzliche Untersuchungen zu geeigneten Verfahren und Techniken.

Klima-Ziel ist erreichbar, aber mit umfassenden Anpassungen

Um das Netto-Null-Ziel zu erreichen, sind gemäss der Studie auch sogenannte negative Emissionen unerlässlich. Hierbei wird CO2 der Atmosphäre entzogen und dauerhaft in tiefe geologische Formationen gespeichert. Erste Abschätzungen zum Speicherpotenzial in der Schweiz seien jedoch wohl «zu optimistisch» gewesen, heisst es. Um das effektive Potenzial abschätzen zu können, brauche es weitere Analysen des Untergrunds, so die Studienautoren.

Für das Kompetenzzentrum für Energieforschung – Strombereitstellung steht jedenfalls fest: Das Klima-Ziel lässt sich technisch bis 2050 erreichen. «Dafür sind aber koordinierte und umfassende Anpassungen in verschiedenen Bereichen notwendig, welche die gesamte Gesellschaft betreffen.»

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