Rahmenabkommen
Ehemaliger EU-Kommissionspräsident Juncker: «Schweiz hat Zusammenhalt der EU-Länder unterschätzt»

Jean-Claude Juncker, der ehemaliger Kommissionspräsident der EU, bereut, dass er kein Rahmenabkommen mit der Schweiz abschliessen konnte und übt Selbstkritik. Doch auch in der Schweiz hätte es mehr Bewegung gebraucht.

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Jean-Claude Juncker war von 2014 bis 2019 Kommissionspräsident der Europäischen Union.

Jean-Claude Juncker war von 2014 bis 2019 Kommissionspräsident der Europäischen Union.

Keystone

(gb) Jean-Claude Juncker, der ehemalige Kommissionspräsident der EU, gibt zu, bei den Verhandlungen für ein Rahmenabkommen mit der Schweiz Fehler gemacht zu haben. In einem Interview mit der NZZ vom Samstag sagt er, er hätte die Position der Kommission in der Schweiz besser erklären müssen, zum Beispiel durch mehr Interviews in der Schweizer Presse.

Doch auch auf Schweizer Seite ortet Juncker ein «Unvermögen». Ein Treffen im Jahr 2017 mit der damaligen Bundespräsidentin Doris Leuthard sei freundschaftlich verlaufen, doch die Schweiz habe es nicht geschafft, die restlichen Schritte zu tun. «Ich schrieb später in einem Brief an die Bundespräsidentin, dass es noch ein bisschen Bewegung brauche. Die gab es leider nicht», so Juncker weiter.

In der Folge kündigte die Kommission bekanntlich die Börsenäquivalenz. Ein Schritt, der Juncker nicht gefallen hat, wie er gegenüber der NZZ sagt. Hinter dem Entscheid sei aber nicht nur Kommission, sondern auch alle 27 Mitgliedsstaaten gestanden. «Die Schweiz hat, ähnlich wie Grossbritannien, den Zusammenhalt der Mitgliedstaaten unterschätzt», so Juncker.