Ehe für alle
Flaggenzwist am Lago Maggiore: Regenbogenfahne erhitzt die Gemüter

«Ehe für alle»: Zwei Tessiner Gemeinden hissen die Regenbogen-Fahne. In Locarno löst dieses Vorgehen Kritik aus. Der Stadtpräsident verteidigt sich.

Gerhard Lob, Locarno
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Entbrannt ist der Streit an der Frage, ob Tessiner Gemeinden die Regenbogenfahne aufhängen dürfen.

Entbrannt ist der Streit an der Frage, ob Tessiner Gemeinden die Regenbogenfahne aufhängen dürfen.

Keystone

Das regionale Unterstützerkomitee für die Vorlage «Ehe für alle» hatte die Tessiner Gemeinden in einem Brief aufgefordert, die Regenbogenfahne öffentlich aufzuhängen, «um symbolisch die Unterstützung für eine gerechtere Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.» Natürlich sollte so auch für ein Ja für die eidgenössische Vorlage geworben worden, über die am 26. September abgestimmt wird.

Zwei von 108 Gemeinden sind der Aufforderung gefolgt: Locarno und Arogno, wie die Tageszeitung «La Regione» in ihrer Ausgabe vom Dienstag schreibt. Zumindest in Locarno hat das Hissen der Regenbogenflagge an der Fassade des Stadthauses jedoch schon zu heftigen Diskussionen Anlass gegeben. Denn nicht alle Bürger sind damit einverstanden.

Alt Stadtrat Aldo Baronio (FDP) zeigte sich aus prinzipiellen Erwägungen entsetzt über das Vorgehen von Locarnos Exekutive, welche sich in einer bevorstehenden Volksabstimmung klar parteiisch zeige und damit den Respekt gegenüber allen Bürger vermissen lasse. «Dies sage ich unabhängig von meiner eigenen Meinung zur Vorlage», versicherte Baroni. Dadurch werde ein Präzedenzfall geschaffen, denn auch andere Gruppen könnten künftig verlangen, Fahnen für ihre Anliegen aufzuhängen.

Locarnos Stadtpräsident Alain Scherrer (FDP) hatte das Vorgehen verteidigt, «weil die Stadt all denen Mut machen will, welche sich gegen jede Art der Diskriminierung wehren, die auf der sexuellen Orientierung basiert.»

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