Sri Lanka
Illegale Adoptionen: UNO kritisiert Schweiz und fordert Wiedergutmachung

Ein UNO-Ausschuss rügt die Schweiz für ihren Umgang mit Adoptivkindern aus Sri Lanka und fordert Reparationszahlungen an Opfer. Der Bund reagiert verhalten darauf.

Dario Pollice
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Fast 900 Kinder aus Sri Lanka wurden von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre zum grossen Teil illegal in die Schweiz adoptiert. (Symbolbild)

Fast 900 Kinder aus Sri Lanka wurden von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre zum grossen Teil illegal in die Schweiz adoptiert. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone

Es ist ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte: die Adoption hunderter Kleinkinder aus Sri Lanka in die Schweiz. Bereits seit längerem war bekannt, dass insbesondere in den 1980er-Jahren viele unter fragwürdigen Bedingungen erfolgten. Ein im Februar 2020 erschienener Bericht förderte dann das ganze Ausmass zutage. Kleinkinder wurden von der Insel im Indischen Ozean systematisch illegal oder zumindest unter zweifelhaften Bedingungen zur Adoption nach Europa vermittelt. Brisant dabei ist: Zumindest in der Schweiz hatten die Behörden spätestens seit 1981 Kenntnis davon. Doch sie unternahmen nichts dagegen.

Nun hat sich auch der UNO-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen mit dem dunklen Kapitel Schweizer Geschichte befasst, wie Radio SRF am Montag berichtete. Das Komitee mit Sitz in Genf schrieb kürzlich in einem Bericht, es sei «besorgt darüber, dass die Schweiz offenbar keine Massnahmen ergreift, um die Täter zu verfolgen und den Opfern zu ihrem Recht auf Wiedergutmachung zu verhelfen.» Darüber hinaus empfahl der UNO-Ausschuss, dass die Schweiz auch mögliche Wiedergutmachungen ins Auge fassen soll.

Bund prüft UNO-Empfehlungen

Der Betroffenen-Verein «Back to the Roots» begrüsst den Bericht. Dieser sei «hilfreich, weil er die Schweiz nochmals auf eine andere Art in die Pflicht nimmt», sagt Vereinspräsidentin Sarah Ramani Ineichen gegenüber Radio SRF. Wie der Verein auf seiner Internetsite schreibt, haben Vertreter auch vor dem UNO-Ausschuss ausgesagt.

Der Bund reagiert derweil zurückhaltend auf die Kritik. «Wir haben diese Empfehlungen des UNO-Auschusses zur Kenntnis genommen und sind nun daran, diese umfassend zu prüfen», sagte Ingrid Ryser vom Bundesamt für Justiz zu Radio SRF.

Der Bundesrat hat bereits Ende vergangenen Dezember verlauten lassen, dass er die Versäumnisse der Behörden bei den illegalen Adoptionen aus Sri Lanka «bedauert». Zudem soll eine Arbeitsgruppe prüfen, wie betroffenen Personen bei ihrer Herkunftssuche noch stärker unterstützt werden können. Die Schweiz ist überdies das erste Land, das Verfehlungen bei Adoptionen aus Sri Lanka mit dem vor anderthalb Jahren publizierten Bericht offiziell bereits eingestanden hat.