Diskriminierung
Historisch: Unterdrückung der Gebärdensprache wird offiziell anerkannt

Die Deutschschweizer Gehörlosenschulen und der Gehörlosenverband Sonos entschuldigen sich offiziell für die Diskriminierung der Gebärdensprache. Diese war in Bildungsinstitutionen für über 100 Jahre verboten.

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Die Gebärdensprache wurde in vielen Ländern Europas bis weit ins 20. Jahrhundert unterdrückt. (Symbolbild)

Die Gebärdensprache wurde in vielen Ländern Europas bis weit ins 20. Jahrhundert unterdrückt. (Symbolbild)

Keystone

Der zweite internationale Kongress der Gehörlosenpädagogen 1880 in Mailand war ein herber Rückschlag für die Gebärdensprache. Die mehrheitlich hörenden Teilnehmer des Kongresses beschlossen damals die Gebärdensprache aus den Gehörlosenschulen in vielen europäischen Ländern zu verbannen. Künftig sollte nur noch die sogenannte orale Methode unterrichtet werden, welche den Fokus auf der Bildung von Sprechlauten und Lippenlesen legt.

Der Beschluss hatte gemäss dem Schweizerischen Gehörlosenbund (SGB) weitreichende Konsequenzen für Hörbehinderte bis weit ins 20. Jahrhundert. Gehörlose Lehrer verschwanden und die Gebärdensprache wurde unterdrückt. So habe den gehörlosen Kindern der Kontakt zu erwachsenen Gehörlosen und der Gebärdensprache gefehlt. Erst ab Ende der 1960er-Jahre erlangte die Gebärdensprache von den USA aus wieder mehr Bedeutung. 2010 hob die internationale Konferenz zur Bildung und Erziehung Gehörloser schliesslich die Beschlüsse des Mailänder Kongresses von 1880 auf.

Entscheidungen von 1880 waren falsch

Anlässlich des Internationalen Tages der Gebärdensprachen entschuldigen sich nun die Gehörlosenschulen in der Deutschschweiz und der Schweizerische Hörbehindertenverband Sonos am Donnerstag offiziell für die Unterdrückung der Gebärdensprache. Diese «historische Entschuldigung» ist gleichzeitig ein Eingeständnis, dass die Entscheidungen von 1880 falsch waren, wie der SGB mitteilt.

Alle Akteure würden sich künftig dafür einsetzen, dass die bilinguale Bildung in Gebärden- und Schriftsprache für Gehörlose künftig Realität werde. Nur so sei die volle Teilhabe von gehörlosen Menschen erreichbar, heisst es. (dpo)

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