Diplomatie
Schweiz erzielt Durchbruch: Nigeria gibt Hochseetanker nach drei Jahren frei

Der Schweizer Hochseetanker «San Padre Pio» wird seit 2018 von Nigeria festgehalten. Nach jahrelangem Seilziehen hat das afrikanische Land der sofortigen Freigabe zugestimmt. Noch behält die Schweiz ein Druckmittel in der Hand.

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Der Öltanker unter Schweizer Flagge wird nun seit fast drei Jahren festgehalten. (Symbolbild)

Der Öltanker unter Schweizer Flagge wird nun seit fast drei Jahren festgehalten. (Symbolbild)

Keystone

Der Schweizer Botschafter in Nigeria und der nigerianische Justizminister haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Das gab das Aussendepartement (EDA) am Donnerstag bekannt. Das afrikanische Land müsse nun das Schiff freilassen und die beteiligten Unternehmen müssten die notwendigen Massnahmen treffen, um die tatsächliche Abfahrt des Tankers zu ermöglichen.

Vorausgegangen waren dem Durchbruch ein jahrelanges diplomatisches Seilziehen und zahlreiche Interventionen der Schweiz. Ganz in trockenen Tüchern scheint der Deal nicht zu sein. Erst wenn das Schiff die ausschliessliche Wirtschaftszone Nigerias verlassen und somit internationale Gewässer erreicht hat, könne das hängige Rechtsverfahren beim Internationalen Seegerichtshof beendet werden, hält das EDA fest.

Vorwurf des illegalen Erdölhandels

Letzten Juli war der Schweiz der Geduldsfaden gerissen. «Nachdem endlose Verhandlungen nichts fruchteten, bleibt nur der Gang vor den Richter,» schrieb der Schweizer Botschafter in Deutschland, Paul Seger, damals in seinem Newsletter. Die Schweiz beschloss, Nigeria vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg zu verklagen. Botschafter Seger deponierte die 946-seitige Klageschrift der Schweiz.

Die Schweiz forderte die sofortige Aufhebung der Blockade, Schadenersatz und eine klare Verurteilung des Rechtsbruchs durch den Gerichtshof. Streitbar sei die Schweiz eigentlich nicht, betonte Seger. «Doch Nigeria hält seit Anfang 2018 unter flagranter Verletzung internationaler Regeln völlig willkürlich den Schweizer Hochseetanker «M/T San Padre Pio» vor der nigerianischen Küste fest.»

Seit dem 23. Januar 2018 hält Nigeria den Tanker fest, der unter Schweizer Flagge fährt: die «San Padre Pio», die der Westschweizer Reederei ABC Maritime gehört. Auch vier ukrainische Besatzungsmitglieder wurden während fast zwei Jahren in Nigeria festgehalten. Der Vorwurf der Behörden des westafrikanischen Staats lautet unter anderem auf illegalen Erdölhandel und Fälschung von Papieren. (rwa)

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