Demokratie
Abstimmungsmuffel an Berufsschule: Politische Beteiligung bei Jungen variiert stark

Wer ein Gymnasium besucht, stimmt drei Mal häufiger ab als ein Berufsschüler. Das zeigt eine neue Studie zur politischen Beteiligung der Jungen. Keine Rolle spielt das Geschlecht.

Reto Wattenhofer
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Gymnasiastinnen sind auch an der Urne Musterschülerinnen. Ihre Beteiligung an Abstimmungen ist hoch.

Gymnasiastinnen sind auch an der Urne Musterschülerinnen. Ihre Beteiligung an Abstimmungen ist hoch.

Keystone

Die politische Partizipation von jungen Menschen fällt hierzulande unterdurchschnittlich aus. Doch innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe gibt es grosse Unterschiede, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Universität Zürich zutage fördert. Dafür wurden 2910 Zürcherinnen und Zürcher im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt.

Das Fazit: Junge Menschen an Berufsschulen beteiligen sich drei Mal weniger häufig an Abstimmungen als Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Die Studienautoren illustrieren das anhand der Abstimmung vom letzten März. Damals lag die Stimmbeteiligung an Berufsschulen bei 25 Prozent, während sie an Gymnasien 75 Prozent erreichte.

Die Studie empfiehlt deshalb, vor allem an Berufsschulen mit geeigneten Massnahmen die politische Beteiligung zu stärken. Dort sei das Mobilisierungspotential noch gross, heisst es in einer Mitteilung. Keine Rolle für die Partizipation spielt das Geschlecht. Im Kanton Zürich wachse eine erste Generation ohne Gender-Gap heran, betonen die Autoren.

Jugendliche wollen politische Bildung mehr gewichten

Als wichtigste Hinderungsgründe für die Partizipation an politischen Prozessen nannten die Befragten die Verständlichkeit von Wahl- und Abstimmungsunterlagen, die hohe Komplexität der Themen, die Zugänglichkeit zum Prozess, fehlendes Interesse und nicht ersichtliche Relevanz der Themen für die eigene Altersgruppe. Nicht überraschend bewegte der Klimawandel die Jugend als politisches Thema am meisten – ungeachtet davon, wie sich jemand politisch positioniert.

Nicht zu unterschätzen sind auch Rollenvorbilder: Je sichtbarer junge Politikerinnen und Politiker, desto grösser das Identifikationspotential, schlussfolgert die Studie. Die Befragten selbst nennen mehr Gewicht für die politische Bildung am häufigsten als Massnahme, die sie bei der Teilnahme an der Politik unterstützen würde.