Delegiertenversammlung
Nach Männer-Diskussion an letzter DV: Grüne reden nun über Gleichstellung

An der letzten Delegiertenversammlung der Grünen beanspruchten Männer fast die ganze Redezeit. Dagegen wehrten sich die Jungen Grünen. Nun diskutiert die Partei am Samstag Gleichstellungsfragen.

Samuel Thomi
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Grünen-Präsident Balthasar Glättli versprach an der letzten Delegiertenversammlung, Frauen mehr Raum zu geben.

Grünen-Präsident Balthasar Glättli versprach an der letzten Delegiertenversammlung, Frauen mehr Raum zu geben.

Keystone

An der letzten Delegiertenversammlung der Grünen Anfang Jahr beanspruchten die Männer mehr als 90 Prozent der Redezeit, die nicht für Präsentationen oder Referate reserviert war. Konkret redeten sie etwa zwei Stunden. Für die Frauen blieben magere 13 Minuten übrig. Mit Stoppuhr und Excel-Tabelle aufgedeckt haben diesen Missstand bei der selbsternannten Gleichstellungspartei noch während der Versammlung die Jungen Grünen.

Konfrontiert mit den Ergebnissen versprach Grünen-Präsident Balthasar Glättli sogleich, die Redezeit an Delegiertenversammlungen angehen zu wollen. Doch nicht genug. Nun widmen die Grünen ihre DV vom Samstag gleich ganz dem Thema Gleichstellung. «Als Mann bin ich überzeugt: Gleichstellung geht uns alle an», sagte Glättli laut Redetext. Da für die Gleichstellung eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine fairere Verteilung der Aufgaben zwischen beiden Elternteilen entscheidend sei, forderte Glättli in seiner Präsidialrede vor den Delegierten einen Elternurlaub von je 18 Wochen für Mütter und Väter.

Andere Parteien haben Vorstösse im Parlament hängig...

«Nur eine gleich lange Elternzeit für beide Elternteile wird den unsichtbaren Rucksack auf dem Rücken der Männer gleich gross machen wie jenen auf dem Rücken der Frauen», sagte Balthasar Glättli laut Redetext. Erst im vergangenen September hatte das Stimmvolk Ja gesagt zu einem Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen. Seit Anfang Jahr ist diese Bestimmung in Kraft. Über die Einführung einer Elternzeit, ob zu gleichen Teilen oder aufteilbar zwischen der Mutter und dem Vater, gibt es allerdings schon länger politische Diskussionen.

Derzeit sind im Parlament zum Thema denn auch drei Vorstösse hängig. Allerdings stammen diese nicht von Grünen-Vertretern. Je eine Vertreterin von SP, GLP und BDP fordern einen unterschiedlich langen Elternurlaub. Konkret fordern GLP und BDP je 14 Wochen für Mütter und Väter – also quasi den bisherigen Mutterschaftsurlaub sowie die nun hinzugekommenen zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Ein SP-Vorstoss fordert zu diesem 14/14-Wochen-Modell zusätzlich noch zehn Wochen Elternzeit oben drauf, frei aufteilbar unter den Eltern.

... oder bereits Volksinitiativen zum Thema angekündigt

Noch offen ist zudem die Frage, ob es nicht bald ohnehin eine neue Volksinitiative zum Thema Elternzeit geben wird. Die SP hat – wie bereits auch der Verein Public Beta – angekündigt, dieses Jahr eine solche lancieren zu wollen. Nun laufen Gespräche dazu, respektive zu möglichen Modellen. Denn auch in einzelnen Kantonen laufen bereits Initiativen zur Einführung von kantonalen Elternzeitmodellen.

Zudem wollen die Grünen ihren französischen Parteinamen heute gleichstellungsmässig korrekt in «les VERT-E-S suisses» wechseln. Und ebenfalls auf der Traktandenliste steht die Parolenfassung durch die Delegierten für die Abstimmungsvorlagen vom 13. Juni.