Datenleck
Datenschützer eröffnet Verfahren: Impfplattform vom Netz genommen

Eigentlich sollte www.meineimpfungen.ch einen digitalen Impfpass anbieten. Mehrere Kantone haben einen entsprechenden Vertrag mit der Plattform. Doch ein Datenleck sorgt nun für Ärger.

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Derzeit befindet sich die Homepage in «Wartung».

Derzeit befindet sich die Homepage in «Wartung».

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(mg) Dicke Post für die Betreiber der Impfplattform www.meineimpfungen.ch: Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger hat ein formelles Verfahren eröffnet. Hintergrund ist ein Artikel im Online-Magazin Republik. Darin wurden grosse Sicherheitsmängel bei der Plattform aufgezeigt. Die Impfdaten etwa seien «offen wie ein Telefonbuch» zugänglich gewesen. So hätten die Journalisten auch die Impfkonten der Bundesräte Viola Amherd und Ignazio Cassis eruieren können. Gesamthaft sind die Daten von 450'000 Nutzerinnen und Nutzer gespeichert.

«Nach Rücksprache mit dem Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) ist der Datenschutzbeauftragte zum Schluss gekommen, dass die angezeigten Verletzungen plausibel sind», heisst es in der Mitteilung des Datenschutzbeauftragten vom Dienstag. Die Plattform ist mittlerweile offline. In einem Beitrag auf der Homepage heisst es: «Die technischen Schwachstellen sind bereits am Montag, 22. März 2021, am frühen Morgen mehrheitlich behoben worden. Zur Sicherheit haben wir den Betrieb der Plattform bis zum Abschluss einer vollständigen Analyse unterbrochen.»

Bei der Schwachstelle gehe es darum, «dass eine Registrierung als Fachperson theoretisch und in betrügerischer Absicht auch für nicht autorisierte Personen möglich war.» Vor einer Wiederinbetriebnahme von meineimpfungen.ch «werden alle Komponenten und Prozesse eine tiefgehende Prüfung durch eine qualifizierte Stelle durchlaufen und die Ergebnisse transparent gemacht.» Der Datenaustausch von den Covid-19-Impfzentren sei nicht betroffen gewesen.

Betrieben von einer Stiftung

Die von einer Stiftung betriebene Website www.meineimpfungen.ch mit der zugehörigen App «Myviavac» bietet einen elektronischen Impfausweis an. Patientinnen und Patienten können dort ihre gesamte Impfgeschichte erfassen und ihren Ärztinnen und Apothekern den Zugriff darauf gewähren. Diese Lösung wird auch vom Bundesamt für Gesundheit unterstützt.

«Die Verantwortlichen der Stiftung sind nun aufgefordert, gegenüber dem Beauftragten sehr rasch zu den erhobenen Vorwürfen und der Anzeige durch die ‹Republik› Stellung zu nehmen. Ausserdem erwartet der Beauftragte Angaben über allfällige Datenverluste», schreibt der Datenschutzbeauftragte. Zudem hat er darauf hingewirkt, die als mangelhaft angezeigten Bearbeitungen «unverzüglich einzustellen».

Konsumentenschutz fordert Abschaltung

Auch der Konsumentenschutz äussert sich in einer Mitteilung zur Sache: «Die Tätigkeit von meineimfpungen.ch muss sofort und auf Dauer gestoppt werden. Auch sofort aufgehört werden muss mit der Bewerbung dieses elektronischen Impfdossiers beim Covid-Impf-Anmeldevorgang und auch vor Ort in den Impfzentren», lässt sich Geschäftsführerin Sara Stalder zitieren. Ebenso müsse das «Bundesamt für Gesundheit endlich seine Verantwortung wahrnehmen und dafür sorgen, dass der Bevölkerung ein sicherer und verlässlicher Impfausweis ausgestellt werden kann, der zudem auch kompatibel für internationale Reise ist.»

«Ein gutes, robustes und verlässliches System für die Verwahrung der persönlichen Impfdaten der Bevölkerung ist in der aktuellen Lage ganz besonders wichtig. Die Internet-Plattform meineimpfungen.ch ermöglicht es allen Personen in der Schweiz, ihren Impfstatus jederzeit griffbereit zu haben und elektronisch einsehen zu können», heisst es dagegen auf der Homepage von meineimpfungen.ch. Auch könne die Plattform Bund und Kantonen anonymisierte Impfdaten in aggregierter Form zur Verfügung stellen und trage so dazu bei, dass man einen besseren Überblick über die Impfsituation der Bevölkerung erhalte könne. «Dies ist derzeit wichtiger denn je und hilft Bund und Kantonen, ihre Aktivitäten im Kampf gegen Covid-19 zu steuern», heisst es im Statement abschliessend.