Covid-Zertifikat
Reaktionen auf Bundesrat: SVP tobt, FDP lobt und der Gastro-Präsident ruft zum Widerstand auf

Der Dachverband der Gastronomie wehrt sich gegen eine Ausweitung der Zertifikatspflicht. Von den Parteien erhält der Bundesrat viel Support – ausser von der SVP.

Michael Graber
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Kaum hat der Bundesrat eine mögliche Ausweitung der Zertifikatspflicht in die Vernehmlassung geschickt, hagelt es schon Kritik. Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, sprach vor den Medien von der «Spaltung der Gesellschaft». Erneut müsse das Gastgewerbe «den Kopf hinhalten», klagte Platzer. Er fürchte «massive Umsatzeinbussen». Rund 40 bis 50 Prozent würden vom Besuch einer Bar oder einem Restaurant ausgeschlossen. Das komme «einer Teilschliessung gleich».

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Die Impfung sei «ohne Zweifel» der richtige Weg aus der Krise, so Platzer, «aber wir sollten niemanden zu einer Impfung zwingen». Was der Bundesrat nun mache, sei eine faktische Impfpflicht auf dem Buckel der Gastronomie. Er hoffe sehr, sagte Platzer, dass dem Bundesrat noch andere Wege zur Eindämmung des Virus in den Sinn kommen. «Für ein Feierabendbier lässt sich niemand extra testen», sagte der Verbandspräsident.

SVP: Bundesrat plagt die Schweizer Bevölkerung

Die erwartete Prügel für den Bundesrat gibt es auch von der SVP. «Mit der geplanten Ausweitung des Zertifikats lenkt der Bundesrat nur von seinem eigenen Versagen ab», schreibt die Partei in einer Mitteilung. Es seien die Reiserückkehrer, welche die Fallzahlen in die Höhe treiben würden. «Es ist schon länger bekannt, dass die Intensivstationen überdurchschnittlich von Personen mit Migrationshintergrund belegt werden», so die SVP. Dies verschweige der Bundesrat aber «aus falscher politischer Korrektheit» und plage stattdessen «nun die Schweizer Bevölkerung und Betriebe mit Verschärfungen».

Anderer Meinung ist die FDP. Sie spricht von einer «notwendigen» Prüfung der Ausweitung der Zertifikatspflicht. Sie diene dazu, dass «restriktivere und freiheitsfeindlichere Massnahmen» vermieden werden könnten. Die Liberalen fordern den Bundesrat dazu auf, die Kriterien für die Ausweitung des Zertifikats «klar und nachvollziehbar» darzulegen, wie es in einer Mitteilung heisst. Auch soll der Betrieb an den Hochschulen und Universitäten dank dem Zertifikat aufrechterhalten werden. Zudem sei es richtig, dass die Tests ab Oktober selber bezahlt werden müssen: «Es kann keine Freiheit ohne Eigenverantwortung geben.»

«Schülerinnen und Schüler nicht im Regen stehen lassen»

Auch auf Spritzen setzt die SP. «Es wird in den kommenden Wochen wichtig sein, dass Bund und Kantone die Bevölkerung gut und umfassend informieren, damit sich mehr Menschen impfen lassen und an die Schutzmassnahmen halten», schreibt die Partei in einer Mitteilung. Das Impfangebot müsse weiter erhöht werden «und Impfungen auf Dorfplätzen, vor Universitäten und in Einkaufszentren möglich werden». Auch dürften Schulkinder und Lehrpersonen «nicht im Regen stehen gelassen werden», so die SP. Sie fordert, dass Schulen mit CO2-Sensoren und Luftreinigern ausgestattet werden und breit getestet werde.

«Oberstes Ziel muss sein, erneute Verschärfungen oder gar Schliessungen unbedingt zu vermeiden», ist auch Die Mitte überzeugt. «Sollte sich die Situation weiter verschärfen, ist es aus Sicht der Mitte sinnvoll, eine Ausweitung der Zertifikatspflicht auf Besuche in Kinos, Theatern oder auch in Restaurants zu prüfen», schreibt die Partei in einer Mitteilung. Sie unterstütze das Vorgehen des Bundesrats «klar». Dabei lobt die Partei das «national koordinierte Vorgehen».

Wirtschaftsverbände rufen zum Impfen auf

Bereits vor den bundesrätlichen Ankündigungen hatten sich der Schweizerische Gewerbeverband, der Schweizerische Arbeitgeberverband und Economiesuisse an die Öffentlichkeit gewandt. Sie appellierten, von den Impfangeboten weiter­hin Gebrauch zu machen. «Die Schweizer Wirtschaft will zurück zur Normalität», schreiben sie in einer Mitteilung. «Damit dies gelingt und der Schweizer Weg weiterhin ein Erfolg bleibt, rufen die Dachverbände der Schweizer Wirtschaft zum Impfen auf.»

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