Coronavirus
So will sich die Schweiz auf den Herbst und Winter vorbereiten

Kommt es im Herbst und Winter zu einem erneuten Anstieg der Coronazahlen? Der Bundesrat hat drei Szenarien entworfen, wie sich die Schweiz vorbereiten kann. Zudem sollen Schulen weiter regelmässig testen.

André Bissegger
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In den Schulen soll weiter repetitiv getestet werden. (Symbolbild)

In den Schulen soll weiter repetitiv getestet werden. (Symbolbild)

Keystone

Der Bundesrat geht davon aus, dass das Coronavirus nicht ganz verschwinden, sondern in der Bevölkerung zirkulieren wird. Nun hat sich der Bundesrat damit befasst, wie sich die Schweiz auf die kommenden Herbst- und Wintermonate und einen möglichen Wiederanstieg der Fallzahlen vorbereiten soll. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch mit. Er hat dazu drei Szenarien sowie seine Überlegungen in einem Bericht festgehalten: ein optimistisches, ein pessimistisches und ein mittleres. «Unser Ziel ist, dass wir ohne Chaos aus der Pandemie kommen und ohne dabei die Kontrolle zu verlieren», sagte Bundesrat Alain Berset vor den Medien.

Dabei steht das mittlere Szenario im Zentrum der Mittelfristplanung von Bund und Kantonen, wie Berset sagte. Es geht von einem Anstieg der Fallzahlen spätestens im Herbst oder Winter aus – beispielsweise wegen einem zu tiefen Anteil an Geimpften, aufgehobenen Massnahmen oder neuen und ansteckenderen Virusvarianten. Dadurch würde das Gesundheitswesen so stark belastet, dass der Bundesrat gewisse Massnahmen weiterführen oder wiedereinführen müsste. Dazu zählen beispielsweise die Maskenpflicht oder Abstandsvorschriften. Auch Auffrischimpfungen könnten notwendig werden, wie es weiter heisst.

Massnahmen, um neue Varianten rasch zu entdecken

Die Herausforderung bestehe darin, die neuen besorgniserregenden Varianten so schnell wie möglich zu identifizieren, um die Einschleppung und die Ausbreitung mit gezielten Massnahmen verringern zu können. Der Bundesrat erteilte deshalb dem Departement des Innern (EDI) den Auftrag, zusammen mit den betroffenen Bundesstellen und den Kantonen das Überwachungssystem für das Aufspüren und das Monitoring von neuen Virusvarianten zu verstärken.

Zudem werde ein möglicher Wiederanstieg im Herbst wesentlich davon abhängen, wie hoch der Anteil der geimpften Personen in der Bevölkerung sei. «Wir müssen eine möglichst hohe Impfquote haben», sagte Berset. Für die mittelfristige Planung sind gemäss Bundesrat die Vorbereitung auf die Auffrischimpfung sowie die Anpassung der Impfung an neue Virusvarianten wichtig. Er hat deshalb das EDI beauftragt, die Arbeiten für die Auffrischimpfungen frühzeitig anzugehen. Die Impflogistik bleibt vorerst beim VBS, die Kantone sind weiter zuständig für die Organisation und die Kapazitäten.

Schulen sollen weiter testen

Angepasst wird auch die Teststrategie, sobald alle Impfwillen geimpft sind. Dann soll das präventive Testen zurückgefahren werden – mit Ausnahme von den Schulen, wie es weiter heisst. Die Kantone sind aufgefordert, mit repetitiven Tests den Schulbetrieb ohne einschränkende Massnahmen sicherzustellen. «Testen in der Schule ist von zentraler Bedeutung, um eine Kontrolle über die Pandemie zu haben», sagte Berset. Grund dafür sei die Delta-Variante, bei der es überdurchschnittlich viele Ansteckungen an Schulen gebe. Steigen die Zahlen, müssen die Laborkapazitäten rasch erhöht werden können. Das gilt auch für Spitäler, in denen genug Kapazität zur Verfügung stehen muss.

Auch das Contact Tracing bleibe wichtig: Die Kantone sollen die nötigen Kapazitäten erhalten oder rasch wieder aufbauen können. Einen Beitrag dazu leistet die SwissCovid-App, die erweitert wird. Per Anfang Juli 2021 erhält sie eine Check-in-Funktion. Sie soll beispielsweise bei kleineren Veranstaltungen eingesetzt werden.

Schweiz gibt vier Millionen Dosen ab

In Szenario 1 bleiben die Fallzahlen hingegen tief und steigen höchstens saisonal bedingt etwas an, ohne das Gesundheitswesen zu belasten. In diesem Fall könnten die noch bestehenden Massnahmen aufgehoben werden und die Krise wäre zu Ende. In Szenario 3 gibt es eine oder mehrere neue Virusvarianten, gegen die eine Impfung oder eine bereits durchgemachte Erkrankung nicht mehr schützen. In diesem Fall müsste der Staat erneut stark eingreifen. «Dieses Szenario sehen wir aber nicht als realistisch», sagte Berset. Heute werde weltweit sehr viel sequenziert, sodass man frühzeitig gewarnt werde und die Impfstoffe anpassen könne.

Ausserdem hat der Bundesrat entschieden, vier Millionen der rund 5,4 Millionen bestellten Impfstoffdosen von AstraZeneca an Covax zu übergeben. Die Initiative will einen weltweit gleichmässigen und gerechten Zugang zu den Covid-Impfstoffen gewährleisten. Die restlichen Dosen bleiben für den Einsatz in der Schweiz reserviert – beispielsweise für Personen, die sich nicht mit mRNA-Impfstoffen impfen lassen können, wie Berset sagte.