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Berset dämpft Hoffnungen: Lockerungen auch nach Februar eher unrealistisch

Der Bundesrat hat am Mittwoch über mögliche Szenarien für Öffnungsschritte diskutiert. Gesundheitsminister Alain Berset machte jedoch klar: Baldige Lockerungen seien nicht zu erwarten.

Reto Wattenhofer
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Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte am Mittwoch die jüngsten Entscheide des Bundesrates.

Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte am Mittwoch die jüngsten Entscheide des Bundesrates.

Keystone

Bis Ende Februar ist das öffentliche Leben in der Schweiz weitgehend lahmgelegt. Daran dürfte sich auch danach nicht viel ändern. Grossflächige Lockerungen seien eher unrealistisch, erklärte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien. «Es ist ein sehr schwieriger Moment für unsere Gesellschaft.» Der Bundesrat wolle möglichst verhindern, dass zu früh gelockert werde und darauf eine nächste Welle folge.

Laut Berset hat der Bundesrat an seiner Sitzung vom Mittwoch eine erste vertiefte Diskussion geführt. Allerdings sei es noch zu früh, um Entscheide zu fällen. Unklar sei auch, in welche Richtung es gehe. Der Bundesrat werde in zwei Wochen wieder darüber sprechen.

Die fragile Situation hängt vor allem mit dem mutierten Virus zusammen, das sich auch in der Schweiz ausbreitet. Die Zahl der neuen Fälle würde sich jede Woche verdoppeln, sagte Berset. Diese Entwicklung spiegle sich in den Coronazahlen nur ungenügend wider. Die Schweiz sei ungefähr in der gleichen Situation wie Anfang Oktober, nur sei die neue Variante viel ansteckender.

R-Wert wieder über 1

Berset verwies auch auf die Reproduktionszahl (R), die erstmals wieder über 1 liegt. Das bedeute Stillstand oder gar ein leichter Anstieg. In zehn Kantonen liege der Wert darüber, so der Gesundheitsminister. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Schnitt ansteckt. Ist die Zahl grösser als 1, breitet sich das Virus verstärkt aus.

Mit seinem Vorgehen stärkt der Bundesrat auch dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Rücken. Fachexperte Patrick Mathys hatte bereits am Dienstag Öffnungsschritten eine Absage erteilt. «Es gibt keinen Grund, an Lockerungen zu denken.» Aus wissenschaftlicher Sicht seien derzeit aber auch keine schärferen Massnahmen notwendig.

Gewisse Grenzgänger können sich gratis impfen lassen

Dennoch hat der Bundesrat am Mittwoch zu Corona Entscheide gefällt. Er dehnt den Kreis der Personen aus, die sich in der Schweiz kostenlos gegen das Coronavirus impfen lassen können. Er beschloss, dass der Bund rückwirkend auf den 4. Januar die Kosten neu auch für Grenzgängerinnen und Grenzgänger übernimmt, die nicht in der Schweiz versichert sind und hierzulande in einer Gesundheitseinrichtung arbeiten. Kostenlos ist eine Impfung in Zukunft auch für Diplomaten oder Mitarbeitende internationaler Organisationen, wie das BAG in einer Mitteilung schreibt.

Ziel des Bundesrates ist, den Zugang für alle Menschen zu vereinfachen, die zwar in der Schweiz wohnen, aber hier nicht krankenversichert sind. Betroffen von der neuen Regelung sind rund 150'000 Personen. «Würde für sie alle eine Einzelrechnung ausgestellt, so wären die administrativen Kosten höher als für das Impfen selber», argumentiert der Bundesrat. Eine ähnliche Regelung kennen bereits verschiedene Nachbarländer. Der Bund schätzt die Kosten auf 3,5 Millionen Franken.