Coronavirus
BAG: Nun sollen sich auch Schwangere impfen lassen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat seine Impfempfehlungen angepasst: Neu sollen sich auch Schwangere ab dem zweiten Trimester impfen lassen.

André Bissegger
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Der Bund informierte am Freitag über die aktuelle Corona-Situation in der Schweiz.

Der Bund informierte am Freitag über die aktuelle Corona-Situation in der Schweiz.

Keystone

Bislang galt in der Schweiz, dass sich Schwangere bis auf wenige Ausnahmen nicht gegen das Coronavirus impfen lassen sollten. Nun hat das BAG seine Empfehlung angepasst. «Wir empfehlen neu die Impfung für alle Schwangeren ab dem zweiten Trimester», sagte Patrick Mathys vom BAG am Freitag vor den Medien.

Bezüglich Jugendlichen ab 12 Jahren geht Mathys davon aus, dass die Zulassung für die Impfstoffe demnächst kommen könnte. «Wenn wir das Virus kontrollieren wollen, dann brauchen wir einen möglichst grossen Anteil von Immunen – entweder durch Impfung oder Erkrankung.» Dazu zählten auch Kinder und Jugendliche. Die Schweiz sei dabei auf gutem Weg. Laut Mathys haben 34 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine Impfung erhalten. 1,6 Millionen Menschen seien bereits vollständig geimpft.

Kampagne wechselt von Rot auf Orange

Generell zeichnete der Leiter der Sektion Krisenbewältigung ein positives Bild der aktuellen Lage. Die wichtigsten Indikatoren und die Zahl der Impfungen zeigten in die richtige Richtung, Todesfälle würden glücklicherweise nur noch selten auftreten. Deshalb wechselt auch die Farbe der Kampagne «So schützen wir uns» von Rot auf Orange. «Trotzdem müssen wir wachsam bleiben», sagte Mathys. «Wir wollen vermeiden, dass es durch Unaufmerksamkeit oder Sorglosigkeit zu erneuten Ausbrüchen kommt.»

Einen Beitrag dazu leistet auch das neue nationale Corona-Überwachungsprogramm, das Virus-Variationen überprüft. Laut Laurent Kaiser vom Universitätsspital Genf will man je nach epidemiologischer Lage zehn Prozent aller positiven Corona-Fälle sequenzieren und so die Virusmutationen bestimmen. Die Analysen der auftretenden Varianten werden nicht nur schweizweit durchgeführt, sondern auch kantonal, um mögliche Hotspots zu erkennen.

Dank des Programms können die Massnahmen bei Bedarf angepasst werden – beispielsweise die Reiseregeln. Zwar rät der Bundesrat nicht mehr grundsätzlich vor Reisen ab, er mahnt jedoch zur Vorsicht. Zudem sollte auf Reisen in gewisse Länder mit Virusvarianten verzichtet werden, wie Mathys sagte. Grossbritannien etwa steht wegen der indischen Virusvariante seit Donnerstagabend wieder auf der Risikoliste des Bundes. Personen, die von dort in die Schweiz einreisen, müssen sich wieder in Quarantäne begeben. Das gilt auch für Geimpfte und Genesene, wie Mathys betonte.

Corona löste keine Flucht aufs Land aus

Spannend ist, wie sich die Coronapandemie auf den Wohnungs- und Büromarkt ausgewirkt hat. Dazu gab Martin Tschirren, Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO), einen Einblick. So stieg etwa die Nachfrage nach grösseren Wohnungen mit mehr Zimmern und einem Balkon «spürbar». Tschirren: «Ob die durchschnittliche Wohnfläche langfristig zunimmt, wird sich erst weisen.» Klar sei aber, dass es keine Flucht aufs Land im grossen Stil gegeben habe. «Der Wohnungsmarkt in den Zentren bleibt angespannt und hat sich eher verknappt», sagte der BWO-Direktor. «Gleichzeitig stiegen die bereits hohen Preise beim Wohneigentum um weitere drei bis vier Prozent.»

Bezüglich Büroflächen werde keine radikale Homeoffice-Strategie erwartet, sondern eine Mischform. «Immobilienexperten gehen davon aus, dass das Büro künftig ein wichtiger Platz als Identifikationsort für Mitarbeitende wird», sagte Tschirren. Die Anforderung an die Qualität steige, auch bezüglich Standort. «Zentrale Standorte sind wieder mehr gefragt.»