Coronapandemie
«Von der Hand in den Mund»: Ruth Humbel fordert vom Bundesrat einen Krisenplan

Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel wirft dem Bundesrat vor, im Kampf gegen die Pandemie «von der Hand in den Mund» zu leben. Für «mehr Berechenbarkeit» fordert die Nationalrätin einen Krisenplan.

Samuel Thomi
Drucken
Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel (Mitte/AG) fordert vom Bundesrat einen Krisenplan zur Bewältigung der fünften Coronawelle.

Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel (Mitte/AG) fordert vom Bundesrat einen Krisenplan zur Bewältigung der fünften Coronawelle.

Keystone

Bis Ende November präsidierte Ruth Humbel die einflussreiche Gesundheitskommission des Nationalrats. In dieser Funktion habe sie Gesundheitsminister Alain Berset in den letzten Wochen «mehrfach» dazu aufgefordert, mögliche Massnahmen im Kampf gegen die fünfte Coronawelle offen zu legen. Denn «mehr Transparenz und Berechenbarkeit» nütze allen. Doch einen eigentlichen Krisenplan, wie der Bund die auf den Winter hin wieder eskalierende Pandemielage in den Griff bekommen will, habe sie leider nie zu Gesicht bekommen.

Die Aargauer Mitte-Nationalrätin wirft dem Bundesrat darum vor, «von der Hand in den Mund» zu leben. Die Landesregierung denke «offenbar nicht in Eskalationsstufen», kritisierte Ruth Humbel den Bundesrat in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. «Mit Zweckoptimismus werden immer bessere Botschaften verbreitet, und wenn es dann wirklich brennt, kommen der Bundesrat mit strengere Massnahmen», sagte Ruth Humbel mit Blick auf die am Freitag präsentierten jüngsten Vorschläge des Bundesrates zur Verschärfung der Coronaschutzmassnahmen.

«Konsequenzen tragen»

Übergeordnetes Ziel müsse doch sein, so Ruth Humbel, die Überlastung der Spitäler und Gesundheitseinrichtungen zu verhindern. Doch dabei seien Kantone und Bundesrat «noch immer zu zögerlich». Wolle man die Ursachen der fünften Coronawelle wirklich angehen, komme man nicht um ein «Impfobligatorium für besonders gefährdete Personen» herum.

Erst Anfang Woche hatte die Mitte-Politikerin auch in den Zeitungen von CH Media bereits ein Impfpflicht für Über-65-Jährige gefordert. «Denn junge, gesunde Covid-19-Patientinnen und -Patienten landen derzeit kaum auf der Intensivstation», bekräftige Ruth Humbel am Samstag ihre Forderung gegenüber Radio SRF.

Was umgekehrt betrachtet heisst: Impfverweigerer sollen «die Konsequenzen tragen» müssen, wie es Ruth Humbel formuliert. Dies zum Beispiel bei einer anstehenden Triage, wer den letzten Platz in einer Intensivstation erhält. Doch dagegen, dass der Impfstatus bei der Triage eine Rolle spielen soll, wehren sich Medizinethiker bisher standhaft.