Coronamassnahmen des Bundesrats
Lernende: Betriebe können ab Januar Kurzarbeitsentschädigung beantragen

Lernende und befristet Angestellte sind neu ebenfalls berechtigt für Kurzarbeitsentschädigung. Zudem hat der Bundesrat die Karenzfrist rückwirkend aufgehoben, um Unternehmen stärker zu unterstützen.

André Bissegger
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Bundespräsident Guy Parmelin kündigte am Mittwoch weitere Massnahmen im Bereich der Kurzarbeitsentschädigung an.

Bundespräsident Guy Parmelin kündigte am Mittwoch weitere Massnahmen im Bereich der Kurzarbeitsentschädigung an.

Keystone

Der Bundesrat will die Liquidität von Unternehmen verbessern und weitere Hürden bei der Kurzarbeitsentschädigung (KAE) abbauen. Er denkt deshalb nicht nur über die Reaktivierung der Covid-Kredite nach, sondern hat am Mittwoch auch die KAE-Massnahmen angepasst.

Sorgen bereitet der Landesregierung beispielsweise die Ausbildung von Lernenden. Wie Präsident Guy Parmelin vor den Medien erklärte, hat der Bundesrat deshalb die Anspruchsgruppen für KAE vorübergehend bis zum 30. Juni 2021 um Personen in befristeten Arbeitsverhältnissen erweitert. Damit erhalten auch Lernende Anspruch auf KAE, wenn ihre Betriebe auf Anordnung der Behörden schliessen mussten. Allerdings müssen die Betriebe die Fortsetzung der Ausbildung gewährleisten. Die Unternehmen können für diese Anspruchsgruppen ab der Abrechnungsperiode Januar 2021 KAE beantragen.

Karenzfrist wird rückwirkend aufgehoben

Weiter hat der Bundesrat entschieden, die Karenzfrist rückwirkend per 1. September 2020 bis zum 31. März 2021 aufzuheben. Die Karenzfrist, die seit September 2020 bei einem Tag lag, ist der Selbstbehalt für die Unternehmen während jedem Bezugsmonat von Kurzarbeit. Die Arbeitgeber müssen diesbezüglich nichts unternehmen. Die Arbeitslosenversicherung werde ihre Abrechnungen von sich aus anpassen und die Differenz für die Karenztage ausbezahlen, heisst es in einer Mitteilung des Bundesrates vom Mittwoch.

Zudem wird die maximale Bezugsdauer von KAE bei mehr als 85 Prozent Arbeitsausfall von vier Abrechnungsperioden rückwirkend für den Zeitraum 1. März 2020 bis und mit 31. März 2021 aufgehoben, sagte Guy Parmelin. Damit sich dies nach deren Ende nicht negativ auf die Betriebe auswirkt, verlängert der Bundesrat die Nichtberücksichtigung der entsprechenden Abrechnungsperioden bis Ende 2023.

Ausserdem erhalten Personen mit tiefem Einkommen rückwirkend zum 1. Dezember 2020 und bis am 31. März 2021 einen höheren Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Der Bundesrat stützt sich damit auf einen Mitte Dezember vom Parlament ergänzten Artikel im Covid-19-Gesetz.

Zusätzliche Ausgaben von 4 bis 5 Milliarden Franken

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, rechnet für das Jahr 2021 mit zusätzlichen Ausgaben für die Kurzarbeit von 4 bis 5 Milliarden Franken. Er sagte zudem, dass die Zahl der Voranmeldungen in den vergangenen Wochen auf 680'000 gestiegen sei. «Das ist weit vom Ausmass im Frühling entfernt», sagte er jedoch.

Zürcher sprach ausserdem über Taggelder. Im Frühling wurden diese nicht angerechnet, um unter anderem eine Verschiebung in die Sozialhilfe zu verhindern. Aktuell werde die Situation beobachtet und es sei denkbar, dass der Bundesrat diesbezüglich noch Anträgen stellen werde, sagte der Seco-Vertretzer. «Allerdings sieht die Situation auch in diesem Bereich besser aus als im Sommer.»