Coronakrise
Pandemie kostete Versicherungen eine Milliarde: Engagement vom Bund gefordert

Rund eine Milliarde Franken an Schadenleistungen pumpten die Schweizer Versicherungen während der Coronakrise in die Wirtschaft. Für künftige Pandemien wollen sie den Bund einspannen.

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Globale Krise: Risiken wie die Pandemie seien nicht versicherbar, so der Schweizerische Versicherungsverband. (Symbolbild)

Globale Krise: Risiken wie die Pandemie seien nicht versicherbar, so der Schweizerische Versicherungsverband. (Symbolbild)

Keystone

(wap) Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) will, dass sich der Bund in Zukunft finanziell an der Deckung pandemiebedingter Schäden beteiligt. In der Coronakrise hätten die Schweizer Versicherungen rund eine Milliarde Franken ausbezahlt, sagte Präsident Rolf Dörig am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Für eine nächste Pandemie müssten sich Bund und Versicherungen aber «partnerschaftlich wappnen». Dem SVV schwebt dabei eine Pool-Lösung vor, bei der der Bund als eine Art Rückversicherer auftritt. Die privaten Versicherungen übernähmen dabei einen Teil der Schäden gemeinschaftlich, der Bund käme für den Rest auf.

«Pandemien spielen in einer ganz anderen Liga», begründete Juan Beer, CEO der Zurich Schweiz, den Ruf nach Staatsgeldern. Da eine Pandemie weltweit gleichzeitig Schaden anrichte, seien die Risiken im Gegensatz zu anderen Grossereignissen wie etwa Naturkatastrophen nicht diversifizierbar. Damit sei ein zentrales Versicherungsprinzip ausgehebelt und auch eine Rückversicherung nicht möglich. Dennoch könnten die Versicherungen eine wichtige Rolle spielen: Sie hätten die Infrastruktur, das Know-How und die Kundenbeziehungen, um Gelder effizient und gerecht den Geschädigten zukommen zu lassen.

Der SVV habe Bundesrat Ueli Maurer einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet und erwarte eine Antwort «noch in diesem Frühling», so Beer. Der politische Weg könnte aber noch lang sein, wie SVV-Direktor Thomas Helbling ausführte. Möglicherweise brauche es nämlich eine Verfassungsänderung. «Dann kann es Jahre dauern», sagte Helbling. Auch bei anderen Grossereignissen sieht der SVV regulatorischen Handlungsbedarf. Als Beispiele wurden an der Medienkonferenz die Gefahr einer Strommangellage oder das Fehlen einer Erdbebenversicherung genannt.